ZEN 28

Das innerste Geheimnis der Fechtkunst

 Zen-Geschichte 28

© Rolf Hannes

Yagyu Yajima no Kami Munenori war ein Lehrer der Fechtkunst der Shogun. Einer der Wächter der Shogun kam eines Tags zu ihm und bat um Ausbildung in der Fechtkunst.

So wie ich’s sehe, scheinst du ein Meister in der Kunst zu sein, sagte der Lehrer. Bitte, sag mir, zu welcher Schule du gehörst, bevor wir ins Verhältnis von Lehrer und Schüler gehen.

Der Wächter sagte: Ich gehöre zu keiner Schule. Ich habe diese Kunst nie gelernt. Du mußt nicht schummeln, sagte der Lehrer. Mein prüfendes Auge täuscht mich nicht. Tut mir leid, dich zu enttäuschen, sagte der Wächter, aber ich weiß wirklich nichts.

Wenn du’s sagst, wird’s stimmen, aber ich bin sicher, du bist ein Meister in etwas. So erzähl mir von dir.

Das ist so, sagte der Wächter. Schon als Kind dachte ich, ein Samurai sollte sich niemals vor dem Tod fürchten, so vertiefte ich mich in das Problem des Sterbens, und nun berührt mich der Gedanke an den Tod nicht mehr.

Das ist’s rief der Lehrer. Das innerste Geheimnis der Festkunst ist die Furchtlosigkeit vor dem Tod. Du brauchst keine technische Übung, du bist bereits ein Meister.


Shogun war der Titel eines höhergestellten Samurai.

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