Wohlstand, Variante 1


Zeichnung: Rolf Hannes

Wohlstand stand wohl kerzengrade
eines Tages vor der Tür.
Hatte eine dicke Wade,
aber ich konnt‘ nichts dafür.

Stand schon lange, leblos, steif.
Auf dem Haarschopf weißer Reif.
Kalt wars in der rauhen Welt,
und der Höllenhund, der bellt!

Frag ich: „Was willst Du bei mir?“
„Ich bin Wohlstand, traue mir!
Lass mich rein, dann winkt Dir Glück:
Dauernd, ewig, Stück für Stück!“

Es war kalt, es fröstelt mich.
„Also komm, so wärme Dich!“
Doch kaum war er bei mir drinnen,
sah ich ihn sein Werk beginnen:

Mich umtanzen, mich verlocken,
mich umgarnen. Mich verstocken,
mich bedrücken, mich erpressen,
dann mich quälen. Und vergessen,…

Wie es ohne Wohlstand war?
Damals war der Kopf recht klar,
keine Angst, ihn zu verlieren –
keine Angst, sich zu blamieren,

wenn ich nicht nach Wohlstand röche
oder in der Gosse kröche.
Wüsst ich nur, was dann passierte,
wenn der Wohlstand mir krepierte:

Ich gäb alles, was ich habe –
nein, nur vieles, alter Schwabe!
Eher gar nichts – er muss bleiben.
Seh ihn sich die Hände reiben.
Seh ihn sich die Hände reiben.

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