Wie man einen ausgewachsenen Bären fängt

Zeichnung Gefäße für wilden Honig: Rolf Hannes

Wie man einen ausgewachsenen Bären mit bloßen Händen fängt?

Ein wenig Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, sorgfältige Vorbereitung, und nicht zuletzt das unaufgeregte Verwirklichen der Schritt für Schritt durchdachten Maßnahmen – das, und eine echte Freude an diesem Vorhaben, ist beinahe schon die Garantie unseres Erfolgs.

Doch Obacht: Die Rede ist – es sei des weiteren unvergessen! – allemal von einem veritablen Raubtier. Also immer achtsam der Reihe nach und Meister Petz ist unser! Da wäre zum einen die Hütte, deren nicht allzu große Fenster wir von außen vergittert haben, die eigens verstärkte Tür steht offen, ein exakt präparierter Riegel kippt aus der Senkrechten sobald wir die Tür mittels einer verborgenen Schnur energisch zugezogen haben.

Fehlt noch der Bär, der sich zum Zeitpunkt des Türschließens in der Hütte befinden sollte, nein: befinden muß! Wir sind bereit, es ist alles getan, nun ist Petz am Zug, und er zieht, vielmehr: Es zieht IHN und zwar gewaltig. Sein Mißtraun, das alte Erbteil, wird überlagert durch noch viel Älteres. Man nenne es Gier, Verlangen oder zufälligen Hunger, man halte jedenfalls Näpfe und Schüsseln bereit, gefüllt mit angegorenen Beeren und wildem Honig, man habe eine  Rehkeule aufgehängt, einen ganzen Hasen, der bereits verrottet und weithin einlädt – kein Weg ist unserm Bären zu weit, er ist bereits da, kaum wehten ihn die Aromen an.

Und da kommt er auch schon, sichert und wittert, verharrt immer wieder, wirft den massigen Schädel herum –  wäre er ein Mensch, hätte er jetzt zwei Seelen in seiner Brust deren eine bereits schwächlich erlischt. Diese hier obsiegt: Schon ist er in der Hütte, schon ist er wie toll, nun geht es seinen Gang, Noch der besprochene Ruck an der Schnur, die Tür fällt ins Schloß, der Riegel kippt, er kann nicht entkommen.

Nun ohne Furcht heraus aus dem Versteck denn wir haben ihn. Als ob es jemals wirklich schwer gewesen wäre. Der Bär steckt in der Hütte fest und gehört – mag er noch wütend rumoren – tatsächlich uns.


Ich sähe es gern, wenn wir einige korrupte Politiker und erbärmlich verlogene Journalisten auf gleiche Weise fangen könnten.

Rolf Hannes

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