Wie ist das mit der Wahrheit?

Fotocollage: Marianne Mairhofer

Wahrhaftigkeit lebt im zwischenmenschlichen Umgang miteinander, Wahrheit ist vor allem ein Diskurs zwischen Wissenschaftlern, Theologen und Philosophen. So, für mich, will ich einmal diese beiden Wörter auf meine Weise untersuchen: Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Ich weiß nicht, in wie viel anderen Sprachen es eine Unterscheidung gibt zwischen Wahrhaftigkeit und Wahrheit, ob es bei ihnen dieses Geschwisterpaar überhaupt gibt. Manchmal ist mir, als wenn sie das gleiche ausdrückten, dann wieder weiß ich: sie sind verwandt, doch sehr verschieden.

Ein Gespräch zweier Frauen, ich nenne sie Anna und Katja, hat mich darauf gebracht, mich dies zu fragen: Wie ist das mit der Wahrheit? Und wie steht es um die Wahrhaftigkeit? Wahrhaftigkeit ist mir näher, sie ist näher am Menschen. Wahrhaftigkeit wohnt auf der Erde, Wahrheit über den Wolken.

Im Kern des Worts Wahrhaftigkeit steckt das Wort Wirklichkeit. Und in der Wirklichkeit finde ich die Gestalt des Werdens. Mir scheint, DIE Wahrheitist von allem Anfang an in der Ewigkeit. Ich fühle: über der endlichen Welt des Menschlichen schwebt DIE Wahrheit wie ein ehernes Gesetz des Unendlichen. Möglicherweise bewohnt sie die Gesetze der Mechanik, der Mathematik, der Astrophysik, möglicherweise bedient sie sich der Engel, um die Galaxien in ihren Bahnen zu halten.

Etwas ganz anderes ist es mit der Wahrhaftigkeit. Sie hat es mit den menschlichen Tricks zu tun, mit den Einrichtungen im Zusammenleben der Menschen, mit den verlogenen so gut wie mit den aufrichtigen.

Könnte ein wahrhaftiger Mensch unwahr sein? Ich glaube, ja. Nur: ein unwahrer Mensch kann kein wahrhaftiger sein. Diesen scheinbaren Widerspruch möchte ich nicht erklären, er ist nur fühlbar.

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