Wem gehören wir?

Wer sagt uns, dass wir noch das sind, wovon wir annehmen, es zu sein?

Wir halten Persönlichkeit für etwas, das die Menschen vor hunderten von Jahren schon hatten. Doch seither ist etwas geschehen, hinter unserem Rücken und ganz leise. Mit einer Geschäftsmäßigkeit, die uns großenteils verborgen bleibt, deren Wucherungen wir nicht kennen, von deren Ausmaß wir selbst nichts wissen und nichts wissen sollen.

Die alten Gehäuse unserer Persönlichkeit umfassten Dinge, deren wir uns nicht voll bewusst waren. Doch das waren Dinge, die uns gehörten. Dinge, die in uns verborgen, in uns geschützt waren.

Seit langem wächst eine digitale Dimension. Sie bedeutet entblößte Übertragung und Vervielfältigung, automatisierte Analyse und Vergleichbarkeit. Sind wir ein anonymer Fleck in irgendeiner rätselhaften Wolke namens Big Data, die uns bestimmt?

Lena Gottfriedsen - Wem ghören wir?

Zeichnung bestia algorithmica: Rolf Hannes

Wem gehört der Algorithmus, der dir sagt, was du kaufen willst? Der bestimmt, welche Nachrichten dich interessieren? Der Algorithmus, der einem Arbeitgeber sagt, ob du für seinen Job richtig bist oder nicht? Der Algorithmus, der anhand deines Verhaltens weiß, ob du schwanger bist, der weiß, ob du verliebt bist und wann krank? Der Algorithmus, der weiß, was du in deiner Freizeit machst, ob du psychische Probleme, ob du Schulden hast?

Wir sind Datensätze in gigantischen Lagerhallen, die kopiert, verkauft, zugordnet, ausgewertet werden. Daten, mit denen die, die sie uns rauben Millionen verdienen, während die Beraubten leer ausgehen. Nicht nur das, sie nehmen Schaden an Leib und Seele.

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