Warum ich schreibe

Draußen Regen.
Drinnen Etta James: At last,
zwei Bücherstapel rechts von mir.
Der vordere Stapel lauter Reclam-
Heftchen. Leicht nach vorne gerückt
der andere Stapel. Das unterste,
alles tragende Buch kann ich
nicht sehen. Jetzt bin ich
neugierig und möchte wissen,
welches Buch da ganz unten liegt.
Aber ich möchte auch den Stapel
nicht verrücken, weil der Stapel mich
grade entrückt. Am liebsten würde ich
in die Knie gehen und nachschauen.
Aber das Buch darüber ist so geschickt
drauf gelegt, dass ich nicht sehen kann,
welches Buch den Stapel trägt.

bernhard-horwatitsch-warum-ich-schreibe
Bild: Rolf Hannes

Selbst wenn ich in die Knie gehe und
den Kopf verdrehe. Es ist eine Rhetorik-
Fibel, die alles verdeckt, was ich wissen will.
Dabei war ich doch grade draußen,
wo alles was ich wissen will ist.
Ganz oben liegt ein Buch mit dem Titel:
Du sagst es. Beide Stapel habe ich in
schier unendlichen Versuchen genau
in diese Form gebracht.
Sie dürfen sich nie mehr verändern.
Ich sollte sie fotografieren.
Aber ich habe keinen Fotoapparat.
Nur Augen. Also schreibe ich darüber.
Ich schreibe nur, weil ich keinen
Fotoapparat habe. Und Augen,
die ständig sehen. Auch nachts
im Innern.

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