Walter Moßmann (1941 – 2015)


Foto: TRIKONT Verlags GmbH

Er war ein Unangepaßter, innerhalb der gängigen Strömungen für niemanden zu vereinnahmen. Unter den Liedermachern war er einer der hellsten und kreativsten Köpfe. (Wenn ich mich recht entsinne, war das Wort Liedermacher seine Erfindung.) Was heißt Liedermacher? Er war so umfassend neugierig, gestützt vom Studium der Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik, in hunderten Schriften, Gedichten, Aktionen, einigen Filmen, bewies er sich als herausragender Autor, Journalist und Regisseur. Die Spannweite seiner Aktivitäten reichte von Nicaragua bis zur Ukraine.

Aber von Anfang an waren ihm die Mucker und Politschranzen nicht wohlgesonnen. Sein erfolgreicher Kampf gegen die Atomindustrie, insbesondere gegen den Bau des Kernkraftwerks in Wyhl machte ihn für alle Zeit bei den Mächtigen verdächtig. Fortan hatte er im Betrieb des Mainstreams selten Fürsprecher. Um eine Lobby, wie sie seinem kongenialen Kollegen Wolf Biermann stets zurseite stand, war Moßmann nie bemüht. Allerdings, auf Ehre, Ruhm und Reichtum war er nicht erpicht. Wichtig war ihm seine Unabhängigkeit, und wenn sich seine Lieder und politischen statements unter seinen Freunden und Gleichgesinnten mehr und mehr verbreiteten, war ihm das Anerkennung und Lohn genug.

Selbst als ihm 1982 der Deutsche Kleinkunstpreis verliehen wurde, sträubte sich der WDR, Mitveranstalter des Preises, das preisgekrönte Lied für meine radikalen Freunde zu senden. Damals begann das, was jetzt gang und gäbe ist: In den unteren Gefilden darf sich manch Widerspruch (künstlerisch) tummeln, nur: allzu publik darf es nicht werden.


Siehe auch den Beitrag vom 12. Juni 2014 Burg Waldeck feiert seinen 50. Geburtstag.http://www.futura99phoenix.de/burg-waldeck-feiert-50-geburtstag/

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