Vom Elend der Kunstszene 3

Womit ich mich schon eine Weile beschäftige, das ist die Szene in den Galerien, in den Kunstvereinen, in den kommunalen Einrichtungen, in den städtischen Museen, worin Ausstellungen stattfinden. Dort wird der Eitelkeit gefrönt, und die richtet sich am Markt aus. Es geht weniger um Kunst, als um das gesellschaftliche Brimborium, um Aufmerksamkeit, um den Drang, sich ins rechte Licht zu stellen. Das ist das Feld der Ausstellungsmacher, und bei den Ausstellungen denken viele weniger an die ausgestellten Künstler, als an den Glanz der Ausstellungsräume. Man vermutet, es sei die Verpackung, die die Leute anlockt.

Wenn es ein Künstler versäumt, sich diesen Verpackungskünstlern anzubiedern, oder sie gar durch Eigenständigkeit verärgert, oder, schlimmer noch, seine Meinung, wenn sie nicht im Gleichklang des Ausstellungsmachers ist, frei äußert, kann er sich trollen. Sich bei den Einflußreichen unbeliebt zu machen, kann für einen Künstler tödlich sein. Dann kann er sich bald einer subtilen Front von Gleichgültigkeit und Ablehnung gegenüber sehn.

Die Leute sind auf die Einflüsterungen der kleinen oder größeren Apparatschiks der Kunstszene angewiesen. Manchmal suchen sie auch wirklich ein Bild, um es sich über ihr Sofa zu hängen. Darum geht es aber am wenigsten, denn auch sie schielen schon nach den höheren Weihen des Sammlers.

aus einem Skizzenbuch: Rolf Hannes

Ich war öfters drauf und dran, HartzIV zu beantragen. Mein Stolz hielt mich zurück und das Gefühl, ich könne mich nicht auf Kosten der Allgemeinheit durchbringen.

Beim Finanzamt gab ich mehr Einkommen an als ich hatte. Bis die Künstlersozialkasse das eines Tags überprüfte und drohte, mich aus ihrer Kasse auszuschließen. Die Kasse wollte mein Motiv erfahren. Ich schrieb: Es ist ganz einfach. Ich schämte mich, eingestehen zu müssen, daß ich mit einer Summe auskommen muß, die erbärmlich ist.

Es fehlte mir nicht an mehreren Ausstellungen jährlich und meine Arbeiten (Ölbilder, Objekte, Grafiken) wurden besprochen und in aufwendigen Katalogen abgedruckt. Aber das alles ernährte und ernährt mich nicht.

Die Künstlersozialkasse hat mich damals nicht rausgeschmissen, und so bekomme ich eine miese kleine Rente seit 18 Jahren, und muß, damit ich nicht verhungre, immer noch arbeiten und dazuverdienen, in einem Land, das Milliarden unsinnig vermanscht.

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