Vier Variationen über den Horizont

In einem Märchen machte sich jemand auf, den Horizont zu erreichen. Es kam nie dazu. Es folgte aber keine Entmutigung, ganz im Gegenteil, Freude erfüllte den ganzen Körper. Denn die Erfahrung war: Dort wo du hingehn kannst mit deinen Füßen, ist nicht der wirkliche Ort für dein Glück.

Der Horizont ist die scheinbare Grenze zwischen Himmel und Erde. Er ist das, was du immer siehst, aber niemals erreichst. Die Entdeckung des Horizonts war die Entdeckung der Endlichkeit der Erde und der Endlichkeit menschlicher Bemühung.

Als Kind, wenn ich ungestüm einen Hang hinauf lief, wünschte ich mir, geradewegs an den Himmel zu stoßen, und öfters hatte ich die Vorstellung, auf der anderen Seite könne nichts als Stille sein und Himmel, grenzenloser Himmel.

Das Leben ist ein Hinaufrennen zum Horizont. Einige Alchemisten nannten den Horizont den Pfad des schnellfüßigen Lahmen. Bis der Lauf endet und sich die Augen schließen, bleibt der Horizont der Pfad des schnellfüßigen Lahmen.

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