Verrat 1

Um gleich um den Gedanken herumzukommen, mit deinem verzerrt eingeschmuggelten Lächeln im Hinterkopf, wie du weißt, um also nicht unnötig nach Worten zu ringen, blüh ich mich selbst auf, indem ich Platon als meinen Kumpel entlarve. Er bat mich, es nicht zu tun. Nun aber scheint mir die Zeit reif, ihn zu verraten.

Aus der Umklammerung seh ich mehr und mehr auf: wie aus der Höhle gekrochen, du kennst den Dreck unter den Fingernägeln beim Grübeln: beim schwer Aufwachen aus einer verdammten Nacht, wie in einen haargenauen Befreiungsakt. Lass mich aus den Wolken gehn.

Eigentlich bin ich nur der Verlogenschaft entkommen, wollte ich sagen. Zum Himmel schauend fliegen mir Gedanken wie Vogelschiss zu, wie Weltverhältnisse, die in neues Licht, also Abgründe getaucht werden müssten. Die kleine Schar meiner Konjunktive nimmt immer wieder Stellung. Ich vermag im Augenblick keine Ortsbeschreibung, ebenso wenig ein Zeitaufhellen als mir zuhörendes Szenario … will aber schon mal wieder … in den feinen Entbindungskanal eindringen – und du winkst bloß ab und lässt mich kalt stehn.


Zeichnung: Rolf Hannes

Wirklichkeiten verzerren sich. In unabsehbare Lust. Geschwängertes Weltverhältnis (hatte ich vorhin schon mal vor zu sagen). Jetzt erst gelingt es mir. Aus dem Gefäßeindringen, d.h. zwischen Beziehung und Beziehungslosigkeit, zu dir zu mir zum Wörtern … also erschöpf dich nicht zwischen den Beinen deiner Liebsten oder ihrem Zungensausen … hörst du mir überhaupt noch zu ??

Mich verlässt die Erinnerung nicht. Nicht so schnell wie dich. Im Gegensatz/Aussatz zu meinen Wörtern. Wie ein Anarch. Alles, was bisher geschah, sollte mich hierhalten. Meine kleinen Gebete, die ich bislang verschwiegen hatte. Am liebsten sich verwandeln. Am liebsten sich nicht verstellen. Am liebsten so wenig wie möglich – mit sich selbst zu tun zu haben. Oder glaubst du immer noch, ich sei ein Egomane, ein Solipsist oder Schausteller meines Scheiterns. Wobei du bei Letzterem durchaus recht haben könntest. Der entbundene Mensch wird immer ein Künstler sein. Der Verständliche will seine Leidenschaft verbergen.

Wird fortgesetzt.

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