unabhängigkeitstempel Folge 2

fach blättert zurück zum anfang.

17.03.2016
alles wird klarer. darum schreibe ich tagebuch. mein name ist kai marlow. ich bin dreiundvierzig jahre alt. ich arbeite als programmierer in einem
it-unternehmen. ich werde etwas verändern.

23.04.2016
ignoranten! ich habe angefragt, ob ich einen angemessenen separaten arbeitsplatz bekomme. sie wollen darüber nachdenken, und ich arbeite weiter in dieser vollklimatisierten legebatterie. irgendjemand sitzt vor mir, einer hinter mir und an beiden seiten. immer wird irgendwo gequatscht. wie soll ich in dieser hühnerfarm kreativ sein? von denen weiß doch keiner, was kreativ bedeutet. ihr gestank nach schweiß, mundfäule und schlechtem rasierwasser ist das betriebsklima. an meinem ersten tag störte mich ein quieken in einer fast tödlichen frequenz bei meiner morgenzigarette. zum rauchen muss ich vor die tür, und die kantine hat nur dreck auf der speisekarte. wenn man nur stinkt, kann man drin bleiben.


Radierung: Rolf Hannes

ich heiße roswitha, du kannst aber rosie zu mir sagen, schwarze highheels, schwarze beinstengel, graues business-suit. unter den hochgebundenen, schwarzen haaren eine braungetrocknete haut, von zuviel farbe umrahmte müde augen und eine rosa lackierte frustfresse. die stimme schrillt weiter: und wie heißt du. wir sind hier ein team und sagen alle du zueinander. – ich heiße marlow, und stirb doch einfach.

ich hoffe, dass ich den letzten teil nur gedacht habe. irgendwann schreibe ich ein programm, das sie alle zur hölle schickt.

19.11.2016
lärmendes gezwerge. der verhält sich wie eine diva. ich werde mich nie an diese bösartige tonlage gewöhnen. und dann spuckt sie noch, dass ich mir anmaße, der beste zu sein, und dass ich von oben auf sie herabblicke. soll ich nach oben blicken, falls ich sie sehen will? da ist niemand.

als ich um die ecke komme, sehen alle mich an wie grundschüler, die beim kiffen im heizungskeller erwischt werden. kurz vor der mittagspause habe ich die geldschlitze des getränkeautomaten verklebt. es war unterhaltsam zu beobachten, wie verwirrt diese dressierten dackel reagieren, wenn sie in ihrer täglichen routine gestört werden. seid sand nicht öl im getriebe der welt. noch heute werde ich mich in allen sozialen netzwerken abmelden.

Fortsetzung folgt.

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