Talkshows in der Aufbahrungshalle Folge 2

Nach der Talkshow ist vor der Talkshow

Erstaunlich für mich war, dass die Leser meiner Talkshow-Rezensionen von Anfang an in großer Zahl dabei waren, aber vielfach kommentierten, man solle diesen Mist nicht mehr schauen. Und „Mist“ ist hier noch das harmloseste Zitat. Aber sie lasen trotzdem weiter und erklärten öfter, sie würden statt der Sendungen nur noch die Rezensionen anschauen/lesen.

Sie ahnen es: Journalistisch ist das eine dankbare Aufgabe. Aber diese Formate wurden auch zum echten Mühlstein. Über viele Jahre hinweg – gemessen am Aufwand für einen echten Hungerlohn und ohne Nachtzuschläge aufgeschrieben – wurde der Folgetag immer öfter zum Rekonvaleszenztag. Tatsächlich bestand Erholungsbedarf nach Plasberg und Co.

Am Folgetag nach den Sendungen begann ein regelrechtes Wettrennen der etablierten Zeitungen, die eine nach der anderen ebenfalls begannen, regelmäßig über diese Talkshows zu berichten. Aber sie zogen doch meistens den Kürzeren, belegt beispielsweise in einem Ranking, das die Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken für einen Text misst und veröffentlicht.

Eine meiner meistgelesenen Talkshow-Besprechungen war eine Maischberger-Sendung vom 27. Januar 2016, ausgestrahlt auf dem Höhepunkt der Zuwanderungskrise. Zu Gast waren Frauke Petry als Chefin der AfD, der heute fast vollkommen abgetauchte Jakob Augstein (damals Spiegel Online-Kolumnist), der Randale-Sozialdemokrat Ralf Stegner, der Ex-AfDler Olaf Henkel und der Schweizer Journalist und Medienunternehmer Roger Köppel. Im Ergebnis wurde daraus ein Infernal der Scheußlichkeiten gegen Frauke Petry. Und ein Glücksfall für die AfD, der Stimmenzuwachs muss damals gigantisch gewesen sein. Und er passierte über das Mitgefühl als starke Emotion, verankerte sich demnach noch einmal tiefer im Zuschauer.

Mitgefühl? Ich zitiere mich selbst: Die Sendung droht völlig zu entgleiten. Nicht bezogen auf die Chancengleichheit für jeden Anwesenden, das war von Anfang an nicht gegeben. Nein, es entgleitet im Sinne von Respekt, Stil und Anstand. Augstein und Stegner sind wie entfesselt. Alle toben und geifern. Es ist beschämend. Das Schlimmste: Sie merken es nicht einmal. Man muss Petry nicht mögen, vielleicht sollte man das auch nicht. Die Augsteins und Stegners mit ihrer Unanständigkeit besorgen es. Unfreiwillig. „Die AfD ist eine Partei, der ist die Menschenwürde scheißegal!“ geifert Augstein und stiert dann auch noch auf eine – man kann es nicht anders sagen – soziopathische Art und Weise Richtung Petry, es kann einem angst und bange um die Frau werden. Hat sie Pfefferspray dabei? Wenigstens für ein gutes Bauchgefühl? Was steckt bei Augstein dahinter? Irgendeine Psychostrategie? Oder, oder?

Ein Fazit zur Maischberger-Sendung vor fast sechs Jahren: „Nein, es ist nicht zu viel oder zu dicke aufgetragen, was Sie hier lesen. Es ist eine echte Schande für das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Es ist paradox.“

Fortsetzung folgt.

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