Tafeln in Garachico

Essengehen ist die Lust des Touristenpaars mit Leihwagen und finanziellen Ressourcen. Es ist ja noch nicht alt, das Paar, erkundet auf Bergschuhen die Gegend, fährt auch Rad, ist dann ausgehungert, gönnt sich die Dusche und freut sich auf das folgende kulinarische Hochamt, den krönenden Abschluss eines und jeden Tags an der Nordwestküste Teneriffas.

Garachico heißt der Ort am Meer mit angeblich 5000 Einwohnern (wo die wohl leben? der Ort wirkt kleiner). Es gibt ein paar Hotels und (geschätzt) zwei Dutzend Restaurants, davon, wiederum geschätzt, vier Pizzerien, vier hochklassige Restaurants, zehn ordentliche Fischlokale, vier einfache Gaststätten, dazu ein paar Tapas-Bars, einen Schnellimbiss, zwei Eisdielen sowie einige Bars.

Manfred Poser - Speisen 1

Foto: Manfred Poser

Für solch kleinen Ort ist das ein überreichliches Angebot, und vermutlich habe ich noch einige Gaststuben in den Gassen und an den Rändern übersehen. Der konstante Zustrom an deutschen, österreichischen und französischen Touristen wird in den vergangenen zwanzig Jahren dazu geführt haben, dass sich das gastronomische Angebot erweiterte, verfeinerte. Nachfrage erzeugt Angebot.

Meine Begleiterin Giovanna hatte den netten Einfall, einen Tag sollte ich das Restaurant auswählen (und bezahlen), am Tag darauf würde sie das tun, und so täten wir das abwechselnd, zehn Tage lang. Da ich sparsam bin und die schlichte Küche bevorzuge, suchte ich die einfachen Etablissements aus, während sie sich auf die Gastronomie höheren Niveaus konzentrierte.

In den soliden Lokalen veredeln der Charme des Chefs und der Humor des Kellners die Speisen; in der Luxusklasse sind die Bediensteten jung und halten sich betont unauffällig. Nichts soll vom Genuss der Speisen ablenken, während im normalen Restaurant der Kellner oder die Kellnerin für die menschliche Note sorgt und den Kontakt zur einheimischen Welt herstellt; ihre Wärme erzeugt die Atmosphäre, in der man sich wohlfühlt und in der es schmeckt.

Manfred Poser - Speisen 2

Foto: Giovanna Braghetti

Wenn ich dann mit Giovanna in das Restaurant Mirador de Garchico, ins Ardeola oder zum Cañada de Garachico ging, fühlte ich mich befangen. Weiße Stühle, weiße Tischtücher, geschwungen gestaltete Teller, Stille, andere uns betrachtende Touristenpaare. Ich möchte mich am liebsten verkriechen und bin wie ein Kind, das zur Firmung von der Mutter am Sonntag in ein Lokal der Großstadt eingeladen wird.

Fortsetzung folgt.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.