Tafeln in Garachico 3. Folge

Am Mittwoch (nach dem zweiten Abend in La Perla) entschied ich mich für Tanganazo. Aus diesem versteckt gelegenen Lokal hatten wir am Sonntag zuvor viele Einheimische mit lauten Stimmen gehört; nun stand es fast leer. Der Chef erinnerte an Pedro Almodovar, und er war auch homosexuell, ein ganz Netter. Tanganazo sagten sich Leute, erklärte Pedro, wenn sie etwas trinken, einen heben gehen wollten: Vamos a tanganazo (oder so). Ein Menü mit Salat vorher und dann Fisch (ich nahm den Tunfisch) für 8 Euro, einen halben Liter Wein, mein oranges T-Shirt harmonierte perfekt mit der orangen Tischdecke, Pedro lachte und verabschiedete uns herzlich. Man tritt euphorisch wieder hinaus auf die Gasse.

Acht Tage nach unserer Ankunft. Der Donnerstag. Wir hatten eine lange Bergwanderung unternommen, in Santiago del Teide Kaffee getrunken und waren durch das wilde Bergland gefahren. Der Mirador war ausverkauft, also wollte Giovanna ins Cañada de Garchico, gleich unten, zwei Minuten zu Fuß vom Hotel. Der Besitzer war ein schmaler, ironischer Mann, dem die Brille vor der Brust baumelte. Er hatte nur sechs Tische drinnen und fünf draußen.

Manfred Poser - Speisen 3

Foto: Giovanna Braghetti

Zum ersten Mal konnte ich etwas mit Nudeln wählen, Ravioloni. Giovanna hatte Fisch, exquisit dargeboten und üppig geschmückt (sie verzieren alles gern mit Sahnehäubchen und Essigstreifen). Die gelbe Soße der Ravioloni war delikat. Auch die Nachspeise war allerhöchste Sahne. In Zürich könnte der reich werden, urteilte Giovanna, die der Cañada den höchsten Preis verlieh, noch vor Mirador und Aldeola. Auch hier hatte ich mich von den weißen Lederstühlen und den seltsam geformten Tellern, die in der höheren Gastronomie wohl ein Muss sind, abschrecken lassen. Es war wunderbar, und der Padrone ein Schatz. Dann noch einmal Baccho. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich so noch einen Monat weiterleben können. Ein kleines Paradies.

Ende

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