Sufi-Geschichte 9

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© R. H.

Dieser Dialog zwischen dem Sufi-Mystiker Sinab und einem vornehmen Mann namens Mulakab ist mündlich überliefert und wurde oft weitererzählt von wandernden Derwischen.

Mulakab: Erklär mir einiges deiner Philosophie, daß es für mich verständlich ist.

Der Mystiker antwortete: Du kannst nichts verstehn, es sei, du machst Erfahrungen.

Mulakab: Muß ich denn einen Kuchen verstehn, um zu wissen, daß er schlecht ist?

Sinab: Wenn du auf einen guten Fisch schaust und du denkst, das ist ein schlechter Kuchen, brauchst du wenig verstehn, um es besser zu verstehn, brauchst du noch etwas andres..

Mulakab: Warum läßt du nicht Bücher und Unterweisungen weg, wenn die Übung das Wichtigste ist?

Sinab: Weil das Äußere der Führer zum Inneren ist. Bücher können dich einige äußere Seiten des Inneren lehren, gleichfalls Unterweisungen. Ohne sie machst du keinen Fortschritt.

Mulakab: Aber warum sind wir nicht fähig, das ohne Bücher zu tun?

Sinab: Aus dem gleichen Grund, warum wir nicht ohne Wörter denken können. Du bist aufgewachsen mit Büchern, dein Verstand ist gewöhnt an Bücher und Unterweisungen, durchs Hören und Sprechen, daß das Innere nur durch das Äußere zu dir sprechen kann. Was immer du dir ausrechnest, kannst du erkennen.

Mulakab: Gilt das für alle?

Sinab: Das gilt für die, für die es gilt. Es gilt für alle, die denken, es gälte nicht für sie.

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