Sufi-Geschichte 4 Teil 2

Der Mann mit dem unerklärlichen Leben

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© R. H.

Eines Nachmittags, als Mojud mit Wolle hantierte, erschien ihm Khidr* und sagte: Laß die Arbeit, geh in die Stadt Mosul und benütze dein Erspartes um ein Pelzhändler zu werden. Mojud fügte sich.

In Mosul wurde er bekannt als Pelzhändler. Khidr sah er, während er seinen Geschäften nachging, während drei Jahren nicht. Er hatte eine große Summe Geld gespart und dachte daran, sich ein Haus zu kaufen, als Khidr erschien und sagte: Gib mir dein Geld, geh aus der Stadt, soweit wie das entfernte Samarkand, und arbeite dort als Lebensmittelhändler. Das tat Mojud. Alsbald begann er unglaubliche Zeichen von Lichterscheinungen zu sehen. Er erholte sich von dem Schreck und ging seinem Angestellten während seiner raren Zeit zur Hand, und sein Wissen um das Geheimnis wurde tiefer und tiefer.

Kleriker, Philosophen und andre suchten ihn auf und fragten ihn: Bei wem hast du studiert? Das ist schwierig zu sagen, sagte Mojud. Sein Schüler fragte ihn: Wie hast du deine Laufbahn begonnen? Er sagte: In einem kleinen Büro.

Und du gabst das auf, um dich in Selbstkasteiung zu üben? – Nein, ich gab es einfach auf. Sie verstanden ihn nicht. Leute drängten ihn, die Geschichte seines Lebens zu beschreiben. Wie war das in deinem Leben? fragten sie.

Ich sprang in einen Fluß, wurde ein Fischer, dann ging ich weg von der Fischerhütte mitten in der Nacht. Danach wurde ich ein Bauernknecht.

Während ich Wolle vermaß, drängte es mich nach Mosul zu gehn, wo ich Pelzhändler wurde. Ich sparte einiges Geld dort, aber ich gab es weg. Dann ging ich nach Samarkand, wo ich als Lebensmittelhändler arbeitete. Und nun bin ich hier.

Aber diese unerklärliche Haltung erhellt deine Geschenke und wundervollen Beispiele nicht, sagten die Gelehrten. Das ist so, sagte Mojud.

So bastelten die Gelehrten eine wunderschöne und herrliche Geschichte: Weil alle Heiligen ihre Geschichte haben müssen, und die Geschichte muß übereinstimmen mit dem Hörhunger der Zuhörer, nicht mit der äußeren Wirklichkeit des Lebens.

Niemandem ist erlaubt von Khidr unmittelbar zu sprechen, darum muß diese Geschichte nicht wahr sein. Es ist die Darstellung eines Lebens: Es ist das wirkliche Leben von einem der größten Sufis.


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* Khidr ist der unsichtbare geistige Führer der Sufis.
Aus einer persischen Handschrift: Khidr mit dem Propheten Elias

 

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