Sufi-Geschichte 3

Eines verrückten Königs Götzenbild

Sufi-Geschichte 3
© R. H.

Es gab einst einen gewalttätigen, unwissenden und götzendienerischen König. Eines Tags schwor er, falls sein Hausgötze ihm einen besonderen Vorteil im Leben verschaffe, würde er die nächstbesten drei Leute, die bei seinem Schloß vorbeikämen, zwingen, seinem Götzen zu huldigen.

Sicher, daß seine Wünsche erfüllt würden, sandte er Soldaten auf die Landstraße. Sie sollten die ersten drei Leute, deren sie habhaft werden konnten, herbeischaffen.

Wie es sich fügte, waren diese drei ein Gelehrter, ein Sayyid, das ist ein Nachkomme Mohammeds, und eine Prostituierte. Als man sie vors Götzenbild geschleppt hatte, sprach der geistesgestörte König von seinem Gelübde und befahl ihnen, sich niederzuknien vor dem Götzenbild.

Der Gelehrte sagte: Diese Situation kommt unzweifelhaft vor im Dogma der Großen Kraft. Es gibt zahllose Präzedenzfälle, die jedem mit Anstand erlauben, damit einverstanden zu sein, ohne sich wirklichem oder moralischem Tadel auszuliefern.

Dann machte er eine tiefe Verbeugung vor dem Götzenbild.

Als die Reihe an den Sayyid kam, sagte er: Als eine besonders auserwählte Person, der ich das Blut des Heiligen Propheten in meinen Adern habe, reinigen meine Handlungen alles was geschieht, und deshalb gibt es kein Hindernis, das zu tun, was dieser Mann fordert.

Und er verbeugte sich vor dem Götzenbild.

Die Prostituierte sagte: Leider hab ich weder geistige Übung noch genaue Voraussetzungen, und so fürchte ich, was immer du mir antust, ich kann dieses Götzenbild nicht anbeten, ich kann nichtmal so tun.

Des kranken Königs Krankheit wurde unmittelbar gebannt von dieser Bemerkung. Wie unter magischem Einfluß sah er den Betrug der zwei Anbeter. Er ließ den Gelehrten und den Sayyid enthaupten, die Prostituierte aber kam frei.

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