Sufi-Geschichte 27

Der heilige Ausbruch


© R. H.

Der Eroberer der Liebe gehört dem, der Liebe erobert. Vergewissere dich mit Hand und Fuß der Suche, aber wenn du zum Meer kommst, hör auf, vom Fluß zu reden. Wenn du vor IHM stehst, frag nach nichts andrem als IHM. Wenn Er dich zum Freund erwählt, hast du alles gesehn, was es zu sehen gibt. Es gibt kein Zweierlei in der Welt der Liebe. Was soll all dies Gerede von du und ich?

Wie kannst du einen Becher füllen, der bereits voll ist?

Bring alles von dir vor SEIN Tor. Bring nur einen Teil von dir, und du hast nichts gebracht. Es ist dein eignes Selbst aus Glauben und Unglauben, es beschreibt unvermeidlich deine Wahrnehmung. Ewigkeit weiß nichts von Glauben oder Unglauben. Für die reine Natur gibt es kein solches Ding.

Und falls, mein Freund, du mich fragen solltest, sag ich dir’s klipp und klar, es ist so: Du wendest dein Gesicht zur Welt hin, und im Rücken hast du Rang und Ansehn, und, angespornt zum Erfolg, versicherst du dich doppelt ihrer Hilfe, machst dich gemein mit den Wortklaubern und das in Gegenwart der Wortlosigkeit.

Der Weg ist nicht weit von dir zum Freund: du selbst bist der Weg, also geh ihn weiter.

Du, der du nichts vom Leben weißt, das aus dem Saft der Traube kommt, wie lang willst du vergiftet sein vom Äußeren der Traube? Warum lügst du, du seist trunken?

Wie kommst du vorwärts? Es gibt keinen Ort, du hast keine Füße, wie willst du springen?


Diese Parabeln stammen von Hakim Sanai, berühmter persischer Mystiker, er lebte in Ghazni (heute Afghanistan) von etwa 1080 bis 1140.

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