Sufi-Geschichte 1

Tanzen ist beten

Sufi-Geschichte 1

© R. H.

In der Stadt Qá’ lebte ein verehrungswürdiger Imam, dessen Name Khawája Muhammad Qá’ini war. Als der Sufi-Meister Abú Sa’id** eintraf, wartete Khawája Muhammad die ganze Zeit auf ihn und besuchte dann alle Feiern, zu denen Abú Sa’id eingeladen war. Bei einem dieser Anlässe – es war während der Tänze, die dem Fest folgten – fielen Abú Sa’id und die ganze Gesellschaft in höchste Verzückung. Der Muezzin rief zu den Mittagsgebeten, doch Abú Sa’id verharrte in seiner Ekstase, und die Derwische tanzten weiter und schrien.

Die Gebete! Die Gebete!, mahnte laut der Imam Muhammad Qá’ini. – Wir sind beim Beten, erwiderte Abú Sa’id, worauf der Imam sie verließ, um zur Gebetsversammlung zu gehn. Als Abú Sa’id aus seiner Trance kam, sagte er: Die Sonne scheint zwischen ihrem Aufgang und ihrem Untergang auf keinen verehrungswürdigeren und gelehrteren Mann als diesen – er meinte Muhammad Qá’ini, aber vom Sufismus versteht er weniger, als man mit einem Haar messen könnte.


** Abu Sa’id-i Abu’l Khair, bedeutender persischer Mystiker (978 –1061)

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