Sprache – anders

Sprache – anders.

 Willi van Hengel hat einen Entdeckungsroman verfasst, in dem das Ich nur mit der Erfindung einer neuen Sprache zu sich findet. Man könnte die Sprache neo-romantisch nennen. Denn sein Werk ist zeitlos – die Handlung könnte heute oder vor 200 Jahren oder in 200 Jahren spielen. Gleichwohl ist das Thema des Romans hochaktuell, geht es doch um das, was seit Ewigkeiten die Menschen berührt: das Erleben tiefer Gefühle sowie das Leiden an einer unausgesprochenen und von daher gequälten Seele.

Der Protagonist, Alban genannt, erkennt auf seiner Reise ins eigene Ich den Grund seiner Bindungsängste. Er war das Schlachtfeld, auf dem die Kämpfe seiner Eltern ausgetragen wurden. Seine Eltern sind tot. Und sein bester Freund, der ihm ein abscheuliches Frauenbild eingeimpft hat, lebt noch. Der Zwiespalt brachte Alban so weit, zu denken, dass er und sein Leben, so wie er es lebt, „bloß ein Vorurteil“ sei. Also was tun? Ihn, den besten Freund, töten?

Er wird sich seiner Vergangenheit und den damit verbundenen Erinnerungen stellen, um ein Stück von sich selbst zu Grabe (oder zu Stein, denn Alban ist Bildhauer) zu tragen. Um zu werden, was er sein könnte: ein Mensch, der aus lauter Zweifeln besteht, aber nun beginnt, sich selbst anzunehmen – und vielleicht sogar zu lieben.

Der Wortzauberer Willi van Hengel hat mit seiner Sprachmagie nicht nur ein einzigartiges Kunstwerk erschaffen. Sondern auch eine (Er-)Findung, die im Finale aus Tränen aufgeht.

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