Ricarda Lang und die Energie Folge 2

Lang will den Bock zum Gärtner machen.

Auch innerhalb der Union werden immer mehr Stimmen laut, die sich nicht nur für eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten aussprechen, sondern inzwischen auch die Wiederinbetriebnahme der zuletzt stillgelegten Kernkraftwerke fordern. Ricarda Lang warf CDU und CSU ein Versagen beim Ausbau der erneuerbaren Energie vor und hatte dabei offenbar insbesondere Bayern im Blick: „Ich erwarte zum Beispiel von einem Markus Söder, ich erwarte eigentlich von allen, die uns in diese Lage gebracht haben, dass sie endlich Teil einer Lösung werden.“

In diesem Punkt hat die Co-Vorsitzende der Grünen ausnahmsweise sogar nicht einmal ganz Unrecht. Es ist unbestreitbar so, dass allen voran Union und FDP „uns in diese Lage gebracht haben“. Aber nicht etwa, weil sie sich dem Ausbau der erneuerbaren Energien verweigert oder diesen blockiert hätten. Vielmehr hat die damals amtierende schwarz-gelbe Bundesregierung nach dem Reaktor-Unfall in Fukushima im Jahr 2011 ohne Not den Atomausstieg auf den Weg gebracht. Und auch in den Folgejahren setzte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirklich alles daran, die deutsche Abhängigkeit von russischer Energie immer weiter zu erhöhen. Die Ernte für diese völlig verfehlte Politik werden Millionen Haushalte in den kommenden Monaten in Form von schier unbezahlbaren Strom- und Gasrechnungen sowie im schlimmsten Fall kalten Wohnzimmern zu begleichen haben.

Man kann Markus Söder sowie weiten Teilen von Union und FDP mit Sicherheit vieles vorwerfen. Auf diesen speziellen Punkt bezogen gilt jedoch die Feststellung, dass die ersten energiepolitischen Geisterfahrer der vergangenen Jahre ihren Irrweg inzwischen wohl erkannt haben und nun tatsächlich versuchen „Teil einer Lösung“ zu werden. Das Kardinalsproblem wird jedoch sein, dass es dabei nur noch um Schadensbegrenzung gehen kann, da viele der sehenden Auges begangenen Fehler wohl oder übel irreversibler Natur sind. Ricarda Lang verkennt hingegen weiterhin, dass die erneuerbaren Energien weder heute noch in der Zukunft dazu in der Lage sein werden, den Industriestandort Deutschland zuverlässig mit Energie zu versorgen. Anstatt inmitten der sich abzeichnenden Energiekrise den Bock zum Gärtner machen zu wollen, sollten die Grünen die Realität erkennen und akzeptieren, dass Windräder, Solarzellen und Wasserkraft nur zu einem eher kleineren als größeren Bestandteil eines zuverlässigen Energiemix werden können.

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