Zerrspiegel

Zeichnung: Rolf Hannes

Wir alle kennen seit unsren Kindertagen auf Jahrmärkten und Kirmessen die Spiegel, die uns verzerrten, in die Länge, in die Breite, in die Diagonale, oder nur unsre obere oder untere Hälfte ins Aberwitzigste veränderten. Zusätzlich irrten wir zwischen Spiegelwänden in einem Labyrinth hin und her.

Nun zeigt uns eine Notiz von W. G. für ein Fest seiner Besucher während ihres Aufenthalts in einem Künstler-Atelier in Cussy einen Zerrspiegel besondrer Art. Ein französischer Ort, der sich wunderbar für ein Wortspiel im Deutschen eignet, nämlich: Küß sie. Allerdings ein Wortspiel mit tieferer Bedeutung. Wir wollen uns nicht dazu versteigen, diese Aufforderung so zu verstehn, wie wenn wir sie befolgen sollten, um eine schöne Künstlerin oder einen schönen Künstler zu küssen. Vielmehr verstehen wir dieses Küß sie auf die Kunst allgemein bezogen.

Lösen wir uns von dem Ort Cussy, um an den Ort der Kunst zu gehn, dann verstehn wir das Wortspiel: Hier will die Kunst geküßt werden. Wie in jeder Künstlerwerkstatt, wenn der Künstler darin etwas taugt. Das setzen wir voraus. Wir erheben G.s Einfall einfach zum allgemeingültigen Handeln für Besucher eines Künstler-Ateliers. Kauft, sagt der Spiegel, oder ihr könntet erschrecken beim Anblick eures Inneren.

Dieser Gedanke gefällt mir besonders gut. Schon vor vielen vielen Jahren träumte ich von einem Spiegel, der einen hinter die äußere Hülle sehen läßt. In ihrer Darstellung geht der Gedanke, bewußt oder unbewußt, genau diesen Schritt über den Zerrspiegel hinaus. Denn W. G. hat in ihr ganz im Sinne meiner Vorstellung (meines Traums) mehr die inwendige Verzerrung als die äußere getroffen. Um es präziser auszudrücken: Er hat der physikalischen Optik die psychische zugesellt.

Wie es aber in diesem Spiel den Schmocks, Donald Ducks, den Gartenzwergen, den Mickymäusen und allen Bambys dieser Welt ergeht, wissen wir nicht.

 

 

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Streichholzziehen


Zeichnung: Rolf Hannes

Streichholzziehen

Der lange Atem oder die kurze Spanne.
Die Zimmerdecke oder die Lufthoheit.
Eine Wundklammer oder eine Geldbanderole.
Alles oder jetzt und nichts oder nie.

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Die Olive

Zeichnung: Rolf Hannes

Man sollte schon meinen, was man meint, meinte die Olive zu ihrem Kern. Der Kern sagte, Unsinn, so ein hirnverfickter Unsinn. Die Olive sagte, was weißt du denn schon, du bist ja bloß ein Stein. Er antwortete: ich bin ein Stein und bin schon einige Jahre älter als du.

Haha, sagte die Olive, du bist doch in mir drin, also kannst du gar nicht älter sein. Der Kern: Aber aus mir wird mal ein Olivenbaum. Die Olive: Mit lauter scheiß Heiligen oder?

So ähnlich könnte man eine Geschichte beginnen, die von einer Olive erzählt. Vielleicht von einer ziemlich eingebildeten Olive, die erst noch lernen muss, mit der ganzen Sache, die man das Leben nennt, umzugehen. Daher bin ich auch der Meinung, Steine können einem das Herz erweichen, grade weil sie so hart sind. Das Herz ist ja butterweich und zart, so zart wie Milchschokolade aus der Schweiz. Aber die Schweiz ist auch kein schlechtes Land, zum Beispiel ist die Literaturförderung in der Schweiz…, aber das behaupten alle – das ist doch nur ein Klischee, wer weiß denn schon, wie das in der Schweiz wirklich ist. Viele wissen das. Gut, gut. Aber zurück zur Olive – die weiß natürlich nichts von der Schweizer Literaturförderung. Das wäre ja auch noch schöner, wenn sogar schon eine Olive mitreden könnte, was die Literaturförderung angeht.

Ich meinerseits bin aber keine Olive und rede daher mit. Ich habe heute sogar ein Seminar ausgearbeitet und bin daher überzeugt, dass ich mitreden kann. Das ist ja wunderbar. Was heißt schon mitreden? Ja mit reden kommt man auch nicht immer weiter, mal muss man auch schweigen. So sagte heute beim Spaziergang der Baum, es war ein mir unbekannter Baum, dass ich gefälligst die Klappe halten sollte, ich würde doch nur einen totalen Mist denken. Das habe ich mir aber nicht sonderlich zu Herzen genommen, obwohl ich das Gespräch in mir hatte.

Ich bin doch nicht verrückt und bilde mir ein, mit Bäumen reden zu können. Wo kämen wir denn hin? Bäume, Oliven, Steine, eine schöne Geschichte ist das, da biegen sich ja die Balken vor lauter Hirn im Baum und Baum im Hirn.

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Der Weg zur Knechtschaft Folge 3

Ausblick auf die internationale Ordnung

Wir werden niemals den Mißbrauch der Macht abstellen, wenn wir nicht bereit sind, die Macht in einer Weise zu beschränken, die gelegentlich auch ihre Anwendung für wünschenswerte Zwecke verhindern könnte.

Eine (internationale) Instanz, die die Macht des Staats über das Individuum wirksam beschränkt, wird eine der besten Garantien für den Frieden sein. Die internationale Herrschaft des Rechts muß nicht nur das Individuum gegenüber der Tyrannei des Staats beschützen, sondern auch die nationalen Gemeinschaften gegenüber der Tyrannei des Superstaats.

Weder ein allmächtiger Superstaat noch eine lose Vereinigung von „freien Nationen“ muß unser Ziel sein, sondern eine Gemeinschaft von Nationen freier Menschen.

Aber die kleinen Nationen können ihre Unabhängigkeit im internationalen wie im nationalen Bereich nur unter einem echten Rechtssystem wahren, das zwei Dinge garantiert, nämlich, daß gewisse Normen ausnahmslos durchgehalten werden und daß die Instanz, die die Macht hierzu hat, sie nicht für irgendeinen andern Zweck benutzen kann.

Grab Hayeks in Wien Foto: Michael Kranewitter

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Der Weg zur Knechtschaft Folge 2

Friedrich August von Hayek 1981

Das Ende der Wahrheit

Die wirksamste Art, die Gültigkeit der Werte, denen das Volk dienen soll, bei ihm durchzusetzen, ist folgende: man redet ihm ein, die Werte seien mit denen identisch, zu denen sich die Besten unter ihnen schon immer bekannt hätten, nur hätte man sie bisher noch nicht recht verstanden. Das Volk wird dahin gebracht, seine Anhänglichkeit an die alten Götter auf die neuen zu übertragen. Es wird behauptet, die neuen Götter seien in Wahrheit das, was des Volkes gesunder Instinkt ihm zwar immer gesagt, er aber nur unklar erkannt hätte.

Die erfolgreichste Technik zu diesem Zweck besteht darin, die alten Worte beizubehalten, aber ihren Sinn zu ändern. Wenig Merkmale der totalitären Regime verwirren den oberflächlichen Beobachter so sehr und sind gleichzeitig so charakteristisch für diese ganze geistige Atmosphäre wie die völlige Verdrehung der Sprache und der Bedeutungswandel der Wörter, in denen die Ideale des neuen Regimes zum Ausdruck gebracht werden.

Das Wort Freiheit bleibt dabei auf der Strecke. Mit dem Wort Freiheit wird in totalitären Staaten genau so freigebig umgegangen wie anderswo. Ja, wir können fast sagen, daß überall, wo die Freiheit in unserem (ursprünglichen) Sinne vernichtet worden ist, dies immer im Namen einer dem Volk versprochenen neuen Freiheit geschehen ist.

Peter Drucker in The End of Economic Man, 1939: Je weniger Freiheit es gibt, um so mehr ist von der neuen Freiheit die Rede. Aber diese neue Freiheit ist ein bloßes Wort, hinter dem sich das genaue Gegenteil von allem verbirgt, was Europa bisher unter Freiheit verstanden hat. Diese neue Freiheit, die heute in Europa gepredigt wird, ist vielmehr das Vorrecht der Majorität gegenüber den Individuen.


 Hayeks Buch ist in verschiedenen Ausgaben erhältlich.

Fortsetzung folgt.

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Der Weg zur Knechtschaft

Friedrich A. Hayek in jüngeren Jahren Foto: Uli Gleis

Planwirtschaft und Demokratie

Die allen aktivistischen Systemen gemeinsamen Merkmale können mit einer Formel, die sich bei Sozialisten aller Richtungen großer Beliebtheit erfreut, als die bewußte Organisierung der Arbeit in einem Gesellschaftssystem zu einem bestimmten sozialen Zweck definiert werden. Es war immer einer der Hauptpunkte der sozialistischen Kritik, daß unserer heutigen Gesellschaftsordnung solch eine bewußte Ausrichtung auf ein einziges Ziel fehle, und daß die Wirtschaftsakte von den vielfachen Launen verantwortungsloser Individuen abhingen.

Damit ist das Problem in vieler Hinsicht gestellt, und wir werden geradewegs zu dem Punkt geführt, an dem die individuelle Freiheit und der Kollektivismus aufeinanderstoßen. Die verschiedenen Spielarten des Kollektivismus, wie Kommunismus, Faschismus u. a. unterscheiden sich durch das Ziel, auf das sie das Ziel, auf das sie die Produktionstätigkeiten der Gesellschaft richten wollen, aber sie haben das miteinander gemeinsam, daß sie im Gegensatz zum Liberalismus und Individualismus die Gesellschaft als Ganzes und alle ihre Produktivkräfte für jenes einzige Ziel organisieren und keine autonomen Sphären anerkennen wollen, in denen die Wünsche der Individuen ausschlaggebend sind. Kurz, sie sind totalitär im wahrsten Sinn dieses Worts, das wir übernommen haben, um die unerwarteten, aber nichts desto weniger systemnotwendigen Auswirkungen des in der Theorie so genannten Kollektivismus zu bezeichnen.


Diese Auszüge entstammen dem Buch Der Weg zur Knechtschaft. Friedrich A. Hayek schrieb es 1944 in England, wohin er vor den Nazis geflohen war. Was er schrieb, ist heute aktueller denn je.

Sein Buch gibt es in verschiedenen Übersetzungen, etwa im Kopp-Verlag oder bei Mohr Siebeck, die letztere besitze ich. In Antiquariaten sind weitere Ausgaben erhältlich.

Es gibt einen wichtigen Mitstreiter von Hayek: Ludwig Heinrich Edler von Mises. 1881 in Lemberg geboren, entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie. Er starb 1973 in New York. Damals war Lemberg die Hauptstadt von Galizien, ein Kronland der Österreich-Ungarischen Monarchie. Er war neben Hayek, gleichfalls geadelt als Friedrich August Edler von Hayek, der wichtigste Mitstreiter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, also des klassischen Liberalismus und Libertarismus.

Wichtige Bücher von ihm:
Theorie des Geldes und der Umlaufmittel, 1924
Liberalismus, 1927
Nationalökonomie, 1949

Das waren freie Zeiten, wo zwei Männer dafür verehrt und geadelt wurden, was heute bekämpft wird von Grünen, Linken, Sozialisten und unberatenen CDUlern.

Fortsetzung folgt.

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Neujahrsgruß

 

Zeichnung:  Rolf Hannes

Guten Rutsch ins neue Jahr allen unseren Lesern und Leserinnen, ganz besonders den letzteren, denn wie ich schon vor Jahren herausgebracht habe, sind sie unsre treuesten. Schon Balzac hätte einpacken können ohne seine Leserinnen. Aber, das ist das Merkwürdige, im Schreiben stehen die Männer den Frauen in nichts nach.

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Ludwig Wittgenstein Folge 3

Wittgenstein kommt so von der logischen Analyse der Sprache zur Beschreibung der Sprache nachdem sie verwendet wurde. Wir können also nicht Sprache beschreiben während wir sie verwenden. Der Gebrauch eines Worts ist seine Bedeutung. Die Bedeutung deutet hin auf ein Ding durch das Wort (Frege: Jede Bezeichnung hat eine Bedeutung).

Es besteht also zwischen Ding und Wort keine notwendige Korrelation, sondern eine Handlungsharmonie. Wir können die Sprache demnach als ein Spiel auffassen, das nach gewissen Regeln funktioniert. Hier kann man Sprache mit dem Schachspielen vergleichen.

Von der logischen Form kommt Wittgenstein also zum Spiel, zur Harmonie von Sprache und Welt. Die Regeln sind dabei nicht fundamental, können jederzeit gebrochen werden, und daher kann man erst Regeln herausfinden, nachdem gesprochen wurde.

Der Kaiser steht nackt vor seinem Volk. Das Volk wird befragt, wie ihm seine neuen Kleider stehen und das Volk sagt, sie stehen ihm gut. Das Kind jedoch sagt, der Kaiser sei nackt. Im Nachhinein hat das Kind recht, das mehr Wahrheit aussagt als das Volk. Aber im Augenblick ist das Volk in der Mehrheit. Im Nachhinein kann man also die Sprachregel feststellen, die zwischen Volk und Kaiser galt.

Sprache/Handlungsregeln verändern sich nicht willkürlich, sondern mit einer gewissen Trägheit.

Wittgenstein schlägt also in seiner Philosophie den Bogen von der kristallklaren logischen Form zum weichen Spiel der Handlungsregeln.

Findet man eine Wahrheit, ist sie unumstürzbar – angenommen aber, sie ist falsch, was dann?

Sprache ist nach Wittgenstein eine Handlung unter anderen, ein Operieren mit Zeichen. Es geht dabei um Harmonie und nicht um letzte Aussagen. Wir einigen uns sozusagen immer wieder in diesem Spiel auf unsere Handlungsregeln, die wir im Nachhinein betrachten können.

Ludwig Wittgensteins Grab in Cambridge

Ende (gut, alles gut)

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Ludwig Wittgenstein Folge 2

Ludwig Wittgenstein 1930

Animiert auch von Gottlieb Frege (Begründer der modernen Logik – Präzisierung der Sprache mit Hilfe der Mathematik) sucht Wittgenstein vor allem nach dem Ende des Fragens. Er fragt nach sinnvollen Grenzen des Redens (so wie Kant etwa nach den Grenzen der Erkenntnis). Die Philosophie soll nach Wittgenstein die Grenze des Unsagbaren markieren. Diese Grenze des Unsagbaren vom Sagbaren her zu bestimmen gilt sein Hauptaugenmerk. Man mißdeutete ihn als Wissenschaftstheoretiker, was er jedoch nicht war. Vielmehr setzte er sich mit Worten konkret auseinander. Er spricht vom Abbild der Tatsachen, nicht der Dinge. So könne man zum Baum Baum sagen, aber wie sei es mit Worten wie sogar oder fünf? Was ist sogar für ein Ding? Gibt es eine Fünfheit? Die Logik hat einen rein tautologischen Charakter, das dem Denken und Sein gemeinsame könne nicht ausgesagt, sondern nur gezeigt werden mittels Symbolen, bzw. Zeichen.

Daher muß Tiefe in die Sprache hineingedacht werden. Cäsar wird von Brutus ermordet. Oder: Brutus ermordet Cäsar. Das diesen Aussagen Gemeinsame liegt in der Formel aRb. a steht für Cäsar, b steht für Brutus, R steht für Relation. a steht zu b in einer Relation. Sprechen wir also über die Welt, gibt es nur einen logischen Sachverhalt. Da reine Gedanken durch die Sprache verkleidet werden, müssen wir wieder zu einer logischen Form (Tiefenstruktur) kommen.

Das Abbild: Grammophonplatte, musikalischer Gedanke, Partitur, Schallwellen, ihnen allen ist ein logischer Bau gemeinsam, sie stehen in einem internen logischen Zusammenhang, beziehen sich gewissermaßen aufeinander.

Wie kommt nun Wittgenstein von der logischen Form zu etwas Substantiellem? Das Abbild zeigt nicht das Abgebildete. Man schaut durch das Abbild hindurch auf den Sinn des Abbildes, wobei der Verweisungscharakter keineswegs klar ist. Man müßte, um über Sprache zu sprechen, eine Sprache jenseits der Sprache erfinden. Wittgenstein lehnt dies ab. Es bleibt also somit das Zeigen und Schauen.

Später relativiert Wittgenstein in seinen philosophischen Untersuchungen diese reine Form der Logik, er sieht darin nichts Erfindbares, da die logische Form auf nichts verweist. So muß man empirisch vorgehen. So passen rot und rund zusammen, aber nicht rot und grün, da sich dies beißt (Ausschließungscharakter). Das Abbild mißhagt Wittgenstein, denn sie gibt keine Sicherheit. Mit Sprache könne man alles und nichts aussagen. Es gibt nichts Verborgenes mehr in der Sprache, keine reine Logik der Form. Man muß suchen nach dem, was da ist.

So kommt Wittgenstein zu den Sprachhandlungen. Er entwickelt eine Art Grammatik, nicht im Sinne unserer Natursprachen (Subjekt, Objekt etc.), vielmehr eine allgemeinere, grundsätzlichere Grammatik, welche zur Beschreibung des Kontexts von Sprache und Welt verwendet werden kann. Diese Grammatik dient als Handlungsregel von Worten. Sprachhandlungen finden in der Welt statt und es gibt hier keine Trennung von Sprache und Welt. Die Harmonie zwischen Sprache und Welt entsteht durch den Kontext der Handlungsregeln.

Das Wort Baum bezeichnet also nicht das Ding Baum, sondern tritt mit dem Ding in eine Harmonie, so dass es Sinn macht, Baum zu sagen. So kann es sinnlose Sprachhandlungen geben, die eben mit dem Kontext nicht in Harmonie stehen. Wenn ich jetzt behaupte, daß gerade ein Elefant durch mein Zimmer geht, während ich dies schreibe, so stört dies den Kontext, die Harmonie dieses Texts als Welt.

Fortsetzung folgt.

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Ludwig Wittgenstein

Ludwig Wittgenstein 1910

1. Sprache und Sprachspiel
Von der logischen Tiefenstruktur zur Sprachhandlung

Ludwig Wittgenstein wurde 1889 geboren, als Spross einer wohlhabenden und kinderreichen Familie in Wien. Zur Philosophie kam er auf Umwegen über Bertrand Russell, der in Cambridge lehrte. Wittgenstein war kein besonders guter Schüler, vor allem die technischen, naturwissenschaftlichen Fächer bereiteten ihm Schwierigkeiten. In Religion und Englisch jedoch hatte er gute Noten. Nach dem Vorbild des Vaters studierte der Sohn dennoch Ingenieurswissenschaft in Berlin. Schließlich lernte Wittgenstein Russell kennen und kam so durch die Anregung seines Mentors und Freunds zur Philosophie.

Wittgenstein brauchte Anregung von außen, aber einmal in Gang war er dann sehr überzeugt von seinen Ideen. Als jüdisch-stämmiger Homosexueller dürften ihn nicht nur einmal Steine in den Weg gelegt worden sein. Sein nicht unbeträchtliches Erbe verschenkte er ohne Zögern an seine Freunde. Geblieben ist ihm eine Blockhütte in Norwegen, die offensichtlich niemand haben wollte. Er verstarb 1951. Sein einziges zu Lebzeiten veröffentlichte Werk ist der Tractatus logico-philosophicus.

Beim Lesen der großen Klassiker, etwa Kant und Hegel, brach Wittgenstein die Lektüre stets vorzeitig ab, so sei er nie zu den eigentlichen Problemen dieser Philosophen durchgedrungen, weil ihm die Unklarheit der Sprache Mißbehagen bereitete. Er suchte vor allem nach Klarheit und Orientierung.

Wittgenstein hinterließ kein philosophisches System, so gibt es zahlreiche Versuche, Kohärenz in seinem Werk zu finden.

Philosophie wird in Sprache formuliert, wenn diese Sprache jedoch nicht gut formuliert ist, ist die Philosophie nicht zu verstehen, so Wittgenstein, der nach der idealen Sprache suchte. Die Sprache verhext unsere Gedanken, sagte er, Sprache verzerrt gleichsam unser Denken, umkleidet es.

Wittgenstein ging es darum, die reine Sprache dahinter zu finden, quasi den Gedanken zu finden, der in der Sprache steckt, den Gedanken von der Sprache zu entkleiden. Dieses Bedürfnis, die Sprache zu „enthexen“, ergibt sich womöglich auch durch den Einfluss der Aufklärung, der Wittgenstein in England ausgesetzt war und nicht zuletzt durch seinen Mentor und Freund, den Neopositivist und Wissenschaftstheoretiker Bertrand Russell (Hauptwerk: Prinzipia Mathematica, in der Russell die Sprache in mathematische Ausdrucksformen zu bringen sucht).

Fortsetzung folgt.

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