Karl Kassandra Lauterbachs Quadratur der Impfung

Und ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Thomas Rießinger

Wieder einmal hat Karl Kassandra Lauterbach, der eminent erfolgreiche Erklärer epidemiologischer Eventualitäten, seine faszinierend-fortschreitende Fürsorglichkeit unter Beweis gestellt. Kaum hört man aus Israel, dass der beliebte Biontech-Impfstoff bei der gern herangezogenen Delta-Variante von SARS-CoV-2 vielleicht nur zu 64 Prozent schütze – wobei man auch bei der Tagesschau den Unterschied zwischen einer relativen und einer absoluten Risikoreduzierung wohl bis heute nicht verstanden hat –, findet sich der findige Professor für Gesundheitsökonomie am 6. Juli 2021 vor einer Tagesschaukamera ein, um den zögernden Zuschauern die Zusammenhänge zu erklären. „Es kann durchaus sein“, verkündet der so beliebte wie kenntnisreiche Gesundheits-experte (ab 5:08), „dass die Impfungen ohne jeden Lockdown, also wenn wir wieder ganz normal miteinander zusammenleben, dass die Impfungen dann nicht so stark wirken, weil man dann sehr viel stärker exponiert wird, und wenn dann tatsächlich die Impfwirkung sinkt, in dieser Größenordnung, dann hätten wir auch im Herbst ein Problem.“

Ich will gerne davon absehen, dass ich zu keiner Zeit mit Karl Kassandra Lauterbach „wieder ganz normal miteinander zusammenleben“ möchte, nicht einmal im Herbst, denn dann hätten sowohl er als auch ich „ein Problem“, ganz unabhängig von der Impfwirksamkeit. Sehen wir uns aber einmal die Logik seines Denkens an. Seit geraumer Zeit erklärt man uns – der großartige Gesundheitsexperte immer an vorderster Front –, Lockdowns seien alternativlos, weil man nur so die Zeit bis zum absehbaren Einsatz eines Impfstoffes überbrücken könne. Den Umstand, dass man anderenorts durchaus in der Lage war, Alternativen zum alternativlosen Lockdown zu finden, sollte man hier nicht überbewerten, woher soll das ein professoraler Politiker oder gar ein Journalist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auch wissen? Die Lauterbach-Linie war stets klar: Solange kein Impfstoff vorhanden ist, braucht man einen Lockdown, denn ein normales Zusammenleben, früher einmal normale zwischenmenschliche Kontakte, bei denen man – man kann es sich kaum vorstellen, ohne zu erschrecken! – anderen Menschen und Gesundheitsgefährdern ausgesetzt ist – diese unverantwortliche Lebensweise führt insbesondere zu Beginn der kalten Jahreszeit zu unabweisbaren Problemen. So hat man es uns gesagt. Und so hat man auch im vollen Bewusstsein der Alternativlosigkeit gehandelt, ich darf an den Beginn der Lockdown-Orgie im letzten November erinnern. Nur in der Impfung liegt das Heil.

Kurz und in den Worten des geschätzten Gesundheitsexperten formuliert: Wenn wir ohne Impfung „ganz normal miteinander zusammenleben“ und „man dann sehr viel stärker exponiert wird“, dann hat man im Herbst ein Problem, sofern man sich nicht auf den Lockdown einlässt. So lautete das Argument für die heute kaum noch vorstellbare impfstofflose Zeit. Doch die ist zum Glück tiefe Vergangenheit, seit geraumer Zeit ist die Impfung im Gange, und das hat selbstverständlich alles geändert. Sollte man denken. Doch der prachtvolle Professor denkt anders. Um noch einmal auf die Worte des erstklassigen Experten zurückzugreifen: Wenn wir mit Impfung „ganz normal miteinander zusammenleben“ und „man dann sehr viel stärker exponiert wird“, dann hat man im Herbst ein Problem, sofern man sich nicht auf den Lockdown einlässt. Denn vielleicht wirken ja die Impfungen nicht so stark. Zusammengefasst: Der Unterschied zwischen dem Leben ohne Impfstoff und dem Leben mit Impfstoff besteht darin, dass man in beiden Fällen dringend einen Lockdown benötigt. Um darauf zu kommen, muss man wohl wirklich Gesundheitsökonom sein.

In Heinrich von Kleists Stück „Der zerbrochene Krug“ verkündet in der ersten Szene der Richter Adam – ein Gauner in Richterrobe, der sich vielleicht in dem einen oder anderen heutigen Hohen Gericht recht wohlfühlen würde – die Verse:

„Ja, seht. Zum Straucheln braucht’s doch nichts als Füße.
Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier?
Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt
Den leid’gen Stein zum Anstoß in sich selbst.“

Im Verlauf des Stücks strauchelt Adam, er braucht dafür tatsächlich keinen Strauch und keinen Stein, weil er sich in seinen eigenen frei erfundenen Aussagen verstrickt: Er trägt „den leid’gen Stein zum Anstoß“ wirklich „in sich selbst“ und muss am Ende die Flucht ergreifen, weil jeder gemerkt hat, wie gründlich seine Verteidigung an seinen Widersprüchen gescheitert ist. Immerhin braucht es bei Kleist und Richter Adam ein ganzes Theaterstück, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Karl Lauterbach schafft es in weniger als einer halben Tagesschau-Minute, den in ihm selbst liegenden „Stein zum Anstoß“ zu offenbaren. Für diese Leistung gebührt ihm Respekt, verbunden mit dem ehrlich empfundenen Wunsch, er möge bald seinen Ruhestand genießen. Möglichst schon ab morgen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Verlorene Freunde


Zeichnung: Rolf Hannes

Es waren dereinst zwei Freunde
Die hatten einander so lieb
Der eine sah Wolken aufziehen
Und sprach: Komm, lass uns geh’n
Der andere wollt‘ es nicht kommen seh‘n, trat auf der Stelle und blieb

 Es waren dereinst zwei Freunde
Die hatten einander in Freud und in Leid
Der eine hörte der Glocken Geläut
Und sprach: Höre, es ist an der Zeit
Der andere wandte ab sein Gesicht, er war wohl noch nicht bereit

 Es waren dereinst zwei Freunde
Die trauten einander ein Leben lang
Der eine vernahm der Sirenen Gesang
Und sprach: Schnell, verschließe dein Ohr
Der andere folgte ihnen ins Moor, bis es ihn schließlich verschlang

 So gingen dahin viele Freunde
Durch Trug und durch Täuschung entzweit
Sie hörten einander nicht länger
Und verloren sich in gar bitterem Streit
Die einen zogen von dannen, die andern zerbrachen am Leid

Das Gedicht verdanken wir der Vermittlung des Club der klaren Worte:

Startseite

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

Karl Lauterbach will Gesundheitsminister werden

Beitrag von Boris Reitschuster

Wenn man denkt, schlimmer könne es nicht mehr kommen, erreichen einen regelmäßig neue Überraschungen in diesen irren Tagen. So auch heute: Ausgerechnet Karl Lauterbach hat nun seine Ambitionen auf das Amt des Gesundheitsministers angemeldet. Im Interview mit dem Spiegel sagte der Sozialdemokrat, er fände den Posten „sehr reizvoll“ und sei „recht zuversichtlich“, dass er sich damit „nicht überfordern würde“.

Lauterbach hofft nach eigenen Worten darauf, dass die SPD bei den Wahlen im September so gut abschneide, dass sie das Gesundheitsministerium übernehmen könne. Kritiker mögen hier einwenden, dass seine Prognosen in Sachen Wahlergebnisse wohl genauso falsch liegen wie viele seiner anderen Vorhersagen, gerade auch Corona betreffend. Vielleicht hat die Prognose ja auch eine gewisse Wirkung auf die Wähler – durchaus möglich, dass mancher SPD-Sympathisant angesichts solcher Perspektiven es sich noch einmal anders überlegt. Oder dass eingefleischte Nichtwähler sich aufraffen zur Wahlurne, um Lauterbach als Spahn-Nachfolger zu verhindern.

Den großen Worten zum Trotz stehen die politischen Karrierechancen für den Dauergast des gebührenfinanzierten Fernsehens schlecht. Im heimischen Nordrhein-Westfalen kam Lauterbach nur auf Platz 23 der Landesliste für die Bundestagswahl. Das bedeutet: In den Bundestag kommt er aller Wahrscheinlichkeit nach nur, wenn er in seinem Wahlkreis in Leverkusen und Köln siegt. Was alles andere als eine sichere Sache ist. Das gab auch Lauterbach im Spiegel-Gespräch zu, wenn auch nur etwas verschämt: Er hätte „einen besseren Listenplatz nicht abgelehnt“, sagte er da.

‘Rücktritt als Experte‘

Und weiter: „Ich bilde mir ein, dass ich bei den Mitgliedern der SPD sehr beliebt bin. Dass es ein paar Funktionäre gibt, die bei der Aufstellung der Listen zuerst sich selbst berücksichtigen, war leider schon immer so.“ Auch hier drängt sich wieder der Verdacht auf, dass Wahrnehmung und Realität bei dem Sozialdemokraten deutlich auseinandergehen. Es ist fast schon tragikomisch wie Lauterbach öffentlich vom Ministersessel träumt, während „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt bereits ironisch seinen Rücktritt als Experte fordert.

Zumindest Wendigkeit hat der gelernte Arzt bewiesen. Als er 2019 ins Rennen um den SPD-Vorsitz ging, wollte er eine Beendigung der Großen Koalition. Zwischenzeitlich kam die 180-Grad-Wende: Die GroKo sei „ein Segen“, findet er, denn sie habe „die Pandemie wirklich gut bewältigt“, und „mit jeder anderen Regierung hätte es viel mehr Tote gegeben.“

In dem Interview klagte der SPD-Politiker auch über massive Anfeindungen sowie „Hassbriefe und Drohmails“. Es sei „eine kleine Gruppe in der Bevölkerung, die sich im Netz radikalisiert hat und sehr aggressiv auf mich reagiert. Die auf mich zukommen, sich vor mir aufbauen, mich beschimpfen und beleidigen und mich ohne Schutz sicher auch zumindest körperlich bedrohen würden.“ Unbekannte hätten Gegenstände und Farbbeutel auf sein Haus geschmissen, er brauche jetzt Personenschutz.

Das ist zu bedauern und jede Aggression zu verurteilen.

Allerdings schüttet Lauterbach selbst massiv Öl ins Feuer. So sprach er mir etwa kürzlich auf Twitter ab, Journalist zu sein. Sich dann aber andererseits zu beklagen über eine „Radikalisierung“ im Netz, spricht nicht gerade für eine überwältigende Fähigkeit zur Reflexion. Auch wenn ich aufgrund der Angriffe von Lauterbach sicher voreingenommen bin – ich finde, die Vorstellung, er könne Gesundheitsminister werden, beängstigend.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

urtica


Zeichnung: Rolf Hannes

ich lebe in meiner winzigkeit
eingefriedet
hinter dem blickdichten zaun

weil ich mit meiner leibesfrucht
keiner saatgutverordnung gehorche

das kind spricht mit mir
in eigenartiger sprache
und rudert mit seinem einbaum
durchs brennnesselmeer

sie wären längst ausgerottet
spricht er der gott der vernunft
wären da nicht
die verrückten

Veröffentlicht unter Innenleben | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Angst als Herrschaftsinstrument der Politik Folge 3

Sie stößt dabei kaum auf Widerstand, denn die staatlich geschürte Panik ist bei der Bevölkerung angekommen. Stolze 97% halten die Quarantänemaßnahmen für richtig. Mit Zustimmung von über 90% wird auch die Schließung von Schulen, Geschäften, Freizeiteinrichtungen, Sportstätten, Saunen, Kultureinrichtungen und die Absage von Veranstaltungen befürwortet.

Diese Stimmung geht einher mit der Verteufelung jeglicher Kritik an der Regierungspolitik, egal wie fundiert sie ist.

Dabei exerziert Merkel selbst vor, dass eine angstgetriebene Politik und Gesellschaft nicht zukunftsfähig ist. Der Staat, dem zu Beginn noch die alleinigen Fähigkeiten zugesprochen werden, die Krise zu bewältigen, versagt in grotesker Weise auf ganzer Linie. Masken-, und Impfdesaster, unkontrollierte Verschleuderung von Steuergeld an Intensivbetten, die nicht entstehen, Teststationen, die für nicht gemachte Tests gigantische Summen einstreichen, Betrügereien bei der Coronahilfe. Das einst um seine Effektivität weltweit beneidete Deutschland kriegt nichts mehr auf die Reihe. Ein Beispiel für die Steuergeldverschwendung ist die absurd hohe Entschädigung für Gastronomen. Sie bekommen ihre Einnahmeausfälle zu 75% ersetzt, bei sehr viel geringeren Personalkosten. Die Gastronomen werden also nicht nur für ihren angenommenen Verlust entschädigt, sie bekommen auch noch eine Prämie. Kein Wunder, dass niemand protestierte. Es waren die gering verdienenden Angestellten, die die Last der Schließungen zu tragen hatten. Während bei einer Serviererin eine Trinkgeldpauschale steuerlich in Rechnung gestellt wird, war das bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes nicht der Fall.

Insgesamt regiert Merkel mit Verboten, deren Wirksamkeit nie überprüft wird und unterlässt es, schlüssige Konzepte, zum Beispiel für Kindergärten und Schulen unter Pandemiebedingungen zu entwickeln. Der Digitalunterricht funktioniert kaum, die allen Lehrern versprochenen Laptops kommen nicht an, es gibt nicht einmal eine Dienstmaildaresse für Lehrer. Der deutsche Staat ist nach 16 Jahren Merkel bräsig, ineffektiv und überfordert. Trotzdem dauerte es über ein Jahr, bis Merkels Schwarze Pädagogik langsam ihre Wirkung verlor. Es ist etwas faul im deutschen Staat, das wird 2021 immer mehr zum Grundgefühl seiner Bürger. Wahrscheinlich konnte sich aus diesem Grund auch Armin Laschet als Kanzlerkandidat der Union durchsetzen. Er hat als Einziger erkannt: Deutschland ist zum Sanierungsfall geworden und braucht ein Jahrzehnt der Modernisierung. Ein fataleres Urteil über Merkels Kanzlerschaft kann es nicht geben. Söder, der sich zu Merkel 2 stilisiert hat, zog den Kürzeren.

Angela Merkel ist der „kleinste gemeinsame Nenner einer entpolitisierten, risikoscheuen Gesellschaft“ (Robin Alexander). Am Ende ihrer Ära, so Alexander weiter, beklagt sogar der „Spiegel“ die „Infantilisierung der Bürgerinnen und Bürger“ durch „geistige Verhätschelung“.

So eine Gesellschaft ist in der Tat nicht zukunftsfähig. Deutschland braucht einen Kulturwandel, und zwar dringend und unverzüglich.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Angst als Herrschaftsinstrument der Politik Folge 2

Für westliche Gesellschaften ist das Vorsorgeprinzip für die Debatten über Gesundheit, Sicherheit und Umwelt von zentraler Bedeutung. Das Vorsorgeprinzip hat sogar in die Debatte über Terrorismus, über den Präventivkrieg, Freiheit und Sicherheit gefunden.

Es besagt, Maßnahmen zum Schutz vor potenziellen oder auch nur vermuteten Gefahren müssen getroffen werden, auch wenn der Kausalzusammenhang unklar ist und nicht gewiss ist, ob diese Gefahren tatsächlich eintreten. Tatsächlich ist das Vorsorgeprinzip aber inkohärent, denn jede mögliche Situation birgt Risiken. Deshalb wirkt das Vorsorgeprinzip, das sich so gut anhört, in der Praxis oft lähmend.

Westliche Regierungen und zunehmend die Regierungen in aller Welt lassen sich im Zweifelsfall vom Vorsorgeprinzip leiten: Vermeide Schritte, die das Risiko eines Schadens nach sich ziehen. Lass Vorsicht walten, bis vollständige Sicherheit gewährleistet ist, fordere keine Beweise.

Inzwischen hat das Vorsorgeprinzip Eingang in internationale Verträge gefunden. Den Anfang machte 1982 die World Charta for Nature der Vereinten Nationen, viele folgten, nicht nur in Umweltverträgen, sondern auch bei der Gerichtsbarkeit. Der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof hat in seinem Schlussantrag gegen Monsanto die These vertreten, das Vorsorgeprinzip solle auch dann zur Anwendung kommen „wenn noch keine konkrete Gefahr für diese Güter nachweisbar ist, aber aufgrund erster wissenschaftlicher Erkenntnisse eine Gefährdung möglich erscheint“. (Rechtssache C-236/01)

Ich will im zweiten Teil meiner Ausführungen untersuchen, welche Auswirkungen das Vorsorgeprinzip auf die Politik in der Corona-Krise hat.

In Robin Alexanders „Machtverfall“ kann man nachlesen, was Kanzlerin Merkel bei einer Bundespressekonferenz Corona-Maßnahmen mit dem Satz verteidigt hat: Deutschland sei ein „Präventivland“. Das ist die treffende Kurzcharakteristik ihrer angstgetriebenen Corona-Politik.

Es war aber nicht Merkel, die gleich zu Beginn der Corona-Pandemie Panik geschürt hat. Das war Innenminister Seehofer. Dem agierte die Regierung am Anfang viel zu vorsichtig. Um das aus seiner Sicht nötige Problembewusstsein zu wecken, ließ er von seinem Staatssekretär Kerber, unter Mitarbeit bekennender Maoisten eine Szenario entwickeln, wie Deutschland mit der Corona-Pandemie umgehen müsste. Darin steht: „Der Worst Case ist mit allen Folgen für die Bevölkerung von Deutschland unmissverständlich, entschlossen und transparent zu verdeutlichen.“ Dann wird behauptet, es drohten für Deutschland 2020 1 Million Tote. Wenn die Bürger ihr Verhalten nicht unverzüglich anpassten, wäre eine „unvorstellbare wirtschaftliche Katastrophe“ die Folge. Es ist von einer „gewünschten Schockwirkung“ die Rede, um auf das Verhalten der Bevölkerung erfolgreich einzuwirken. Unterbringung von Infizierten in Quarantänelagern wird als Möglichkeit angedeutet. Die Bundesregierung solle sich an solchen Horrorszenarien orientieren:

„Viele Schwerkranke werden von ihren Angehörigen ins Krankenhaus gebracht, aber abgewiesen und sterben qualvoll nach Luft ringend zu Hause. Das Ersticken oder nicht genug Luft kriegen ist für jeden Menschen eine Urangst.“ Damit diese staatliche Panikmache auch wirklich unter die Leute kommt, wurde das Papier als „geheim“ klassifiziert und anschließend an die Presse durchgestochen. Diese massive Einschüchterung verfehlte ihre Wirkung nicht. Dass man in einer Demokratie nicht mit Angst Politik machen sollte, spielt keine Rolle mehr.

Dabei ist es noch nicht so lange her, dass die Regierung der Bevölkerung gesagt hat, sie dürfe keine Angst haben. Das war 2015, als hunderttausende Migranten ins Land strömten. Angst vor den überwiegend jungen, gewaltaffinen Männern aus antisemitischen und frauenfeindlichen Gesellschaften zu haben, sei unangebracht. Merkel wörtlich: „Angst war noch nie ein guter Ratgeber. Sie ist es im persönlichen Leben nicht und auch im gesellschaftlichen nicht. Kulturen und Gesellschaften, die von Angst geprägt sind, werden mit Sicherheit die Zukunft nicht meistern.“

Nun hat Merkel selber Angst und diese Angst bestimmt ihr politisches Handeln. Sie diktiert immer schärfer werdende Beschränkungen bis hin zur sogenannten „Bundesnotbremse“, bei der auch noch die verfassungsmäßige Länderhoheit ausgehebelt wird. Merkel hielt das für notwendig, um sich nicht mehr mit Widerständen bei den Ministerpräsidenten auseinandersetzen zu müssen. Auch nervten sie die Gerichtsurteile, die massenhaft Corona-Maßnahmen außer Kraft setzen.

Schluß folgt morgen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Angst als Herrschaftsinstrument der Politik

Angst ist eines der stärksten menschlichen Gefühle. Alle kennen sie. Menschen haben unnötige Ängste, oder sie haben keine Angst, obwohl sie Angst haben sollten. Manche Ängste werden von Gesellschaft und Politik erzeugt, so die Angst vor der friedlich genutzten Atomenergie, die ein Produkt jahrzehntelanger Antiatom-Propaganda ist. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Angst ist der Blitzausstieg aus der Atomenergie von Kanzlerin Merkel, wenige Monate nachdem ihre Regierung eine Verlängerung der Laufzeiten für die AKWs beschlossen hat. Anlass war ein Jahrtausend-Tsunami in Japan, der auch ein an der Küste stehendes Atomkraftwerk beschädigt hat. Innerhalb weniger Stunden nach Eintreffen der Nachricht sprach der damalige Umweltminister Norbert Röttgen bereits von Kernschmelze und setzte damit eine Dynamik in Gang, die nicht mehr aufzuhalten war. Auch nicht durch die Tatsache, dass die angeblichen 20 000 Atom-Opfer in Wirklichkeit vom Tsunami getötet wurden und es keinen direkten Toten im AKW gab. Bis heute starb nur ein Mensch an den möglichen Folgen der Atom-Havarie. Auch dass es in Deutschland keine Tsunamis geben kann, spielte keine Rolle mehr, nachdem die Angst vor der atomaren Katastrophe das gesellschaftliche Klima beherrschte. Bei der Landtagswahl in BaWü, dem bisherigen Stammland der CDU, gewannen die Grünen und sind auch bei den folgenden beiden Wahlen unschlagbar gewesen.

Keine Angst dagegen hat die Gesellschaft vor den Folgen von ständigen Stromabschaltungen oder flächendeckenden Blackouts, die bei fortschreitender „Energiewende“ mit jedem Tag wahrscheinlicher werden. Durch den massenhaft installierten Wind- und Solarstrom ist das Stromnetz starken Schwankungen ausgesetzt. Die Grundlast, das heißt, die sichere Stromversorgung, die für ein Hochindustrieland wie Deutschland unverzichtbar ist, kann nur noch mühsam aufrechterhalten werden. Fällt Ökostrom in Massen an, muss er immer häufiger teuer in die Netze anderer Länder abgeleitet, herrscht Flaute, muss Strom teuer von diesen Ländern eingekauft werden. Das hat uns die höchsten Strompreise Europas beschert. Es fehlt jetzt bereits die Kapazität von zehn Atomkraftwerken für eine sichere Stromversorgung und die politisch gewollte Elektromobilität steht erst am Beginn. Eigentlich sollten schon 2020 1 Million Elektroautos in Deutschland fahren. Zum Glück für die Versorgungssicherheit sind es erst wenige zehntausend. Das Verzicht auf Atom und Kohle und Elektromobilität nicht zusammengehen, kann jeder heute schon wissen, aber das Menetekel wird übersehen.

Durch Angst ausgelöste flächendeckende Panik kann das Schicksal von ganzen Gruppen oder Gesellschaften bestimmen, die fehlende notwendige Angst, das übersehende Warnsignal, aber ebenso.

Das war in der Geschichte schon immer so. Die Angst vor den wenigen hundert Spaniern zu Pferd lähmte den mächtigen Montezuma und sein über hunderttausend Krieger zählendes Herr so sehr, es unterwarf sich und sein Reich dem Untergang preisgab. Die fehlende Angst der Trojaner vor dem von den Griechen zurückgelassenen Pferd hatte den Untergang Trojas zur Folge. Zuvor waren die Warnungen von Laokoon und Kassandra überhört worden.

Nach diesem kurzen Exkurs komme ich zum heutigen politischen Umgang mit der Angst. Welche Verbindungen gibt es zwischen der Angst auf der einen und Recht und Politik auf der anderen Seite?

Dazu zwei Thesen von Cass Sundstein, der sich in seinem Buch „Gesetze der Angst“ mit dem Thema befasst hat.

  1. Gut funktionierende Regierungen streben danach, deliberative Regierungen zu sein. Sie halten regelmäßige Wahlen ab, legen in der Öffentlichkeit Rechenschaft ab und verpflichten ihre Amtsträger dem Volkswohl zu dienen. Wenn sich die Öffentlichkeit vor trivialen Risiken fürchtet, wird eine deliberative Regierung versuchen, mit Aufklärung diese Ängste zu zerstreuen. Sie wird Schutzmechanismen vor Paniken installieren. Dieselben Schutzmechanismen werden aktiviert, wenn die Öffentlichkeit trotz ernstzunehmender Risiken keine Angst hat. Eine deliberartive Demokratie wird in solchen Fällen handeln, ob die Öffentlichkeit das fordert, oder nicht. Am Ende setzen sich in einer reflektierenden Bürgerschaft Werte durch, nicht falsche Tatsachenurteile.
  2. Gut funktionierende Demokratien versuchen soziale Konflikte durch Einigung zu lösen, die nicht auf der Ebene von Theorien über das Richtige und Gute angesiedelt sind, sondern auf der niedrigeren Ebene von Praktiken und Prinzipien, auf die sich unterschiedliche Menschen einigen können, die in heterogenen Gesellschaften in den ganz großen Fragen wie die Existenz Gottes, des Wesens von Freiheit und Gleichheit, über die Wichtigkeit von Nützlichkeit und Effizienz oder über die Bedeutung von Fairness uneins sind. Gut funktionierende Gesellschaften ermöglichen es ihren Bürgern, sich zu einigen, wenn es notwendig ist, und sie entbinden ihre Bürger von der Pflicht, sich zu einigen, wenn es unmöglich ist.

Fortsetzung folgt morgen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Späte Stunde

Tuschpinselzeichnung: Rolf Hannes

Vor dich hinsinnierend, über den Augenblick vielleicht, weil der sich nirgends hineinzwängen läßt. Ein Schweben altersmelancholisch intus. Du, in diesem weitgewordenen Schlafanzug, den deine Enkel Jahre später anziehen: als Ausgehuniform, zur Fasnet. Wie du dasitzt und mitansiehst, wie auf dem kalten Küchenboden, vor dem verleerten Schucker Milch, die Katze ausgehungert ihren Schatten aufleckt. Während durchs gekippte Fenster das Metronomgeräusch dringt der Kastanien, die auf das Vordach fallen. Der Gangspiegel, die halbdunkle Tür darin, als ein Durchlaß erscheint.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Schreib einen Kommentar

Lafontaine outet sich als Corona-Ketzer.

übernommen von Boris Reitschuster:

Die „Linke“ ist bei Corona brav auf Linie. Zumindest die Parteiführung. Und jetzt das. Linken-Übervater Oskar Lafontaine veröffentlicht einen Text, für den einem Gemeinsterblichen sofort das Kainsmal des „Covidioten“ verpasst werden würde. Wenn nicht noch schlimmer. Denn der Ex-SPD-Chef und jetzige Linken-Politiker dreht den Spieß um: „Mittlerweile fällt das Wort Covidioten auf die zurück, die es erfunden haben, um andere herabzusetzen“, schreibt der streitbare Saarländer auf seiner Internet-Seite. Obwohl immer mehr Menschen geimpft seien, benutzten – ich zitiere wörtlich – „Covid-Heulbojen – an vorderster Stelle Karl Lauterbach – die Delta-Variante, um erneut zu warnen und Schreckensszenarien in die Welt zu setzen.“ Dabei, so Lafontaine, „zeigt sich immer mehr, dass die sogenannten Experten Arm in Arm mit der Pharmaindustrie den Teufel an die Wand malen, um möglichst viele Leute mit den Impfstoffen mit ‘bedingter Marktzulassung‘ zu impfen und den nächsten Lockdown vorzubereiten. Dabei verlieren die ‘Experten‘ allmählich ihre Glaubwürdigkeit.“

Das sitzt. Ebenso bemerkenswert wie die Aussage Lafontaines ist die Tatsache, dass sie in den Medien keine Aufregung auslöste, sondern schamhaft verschwiegen wird. Man stelle sich nur für einen Moment vor, ein Prominenter wie etwa Til Schweiger hätte sich so geäußert – der polit-mediale Komplex würde hyperventilieren. Aber nicht so bei der Linken-Legende – als Links-Politiker genießt man offenbar auch noch im hohen Alter so etwas wie Welpen-Schutz bei den mehrheitlich linksgrünen Medien.

Dabei teilt Lafontaine noch weiter aus: „Das Herumreiten auf Inzidenzen, ohne die Anzahl der durchgeführten Tests anzugeben, war, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, schon immer eine Scharlatanerie.“ Starker Tobak. Und es geht noch weiter: „Die Warnungen vor überfüllten Intensivstationen entpuppen sich bei näherem Hinsehen als interessengeleitete Lügen, wie nicht zuletzt der Bundesrechnungshof festgestellt hat. Und selbst die Statistik der Corona-Toten und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen geraten ins Zwielicht.“

Für die neu-totalitären Verhältnisse in Angela Merkels „bestem Deutschland aller Zeiten“ ist das reinste Ketzerei. Zumal Lafontaine noch weitergeht und diejenigen ermutigt, die sich der Corona-Politik in den Weg stellen: „Ein Kompliment an die Kinderärzte und die Mitglieder der Ständigen Impfkommission, die sich bisher standhaft weigern, für die Impfung von Kindern einzutreten, obwohl die Pharma-Lobby mit ihren Handlangern mächtig Druck macht. Der Lockdown hat bei den Kindern mehr Schaden angerichtet und ihnen mehr Leid zugefügt, als es eine Infektion mit Covid je könnte. Das Schimpfwort Covidioten fällt mehr und mehr auf diejenigen zurück, die jede Gelegenheit ergreifen, um wichtigtuerisch Warnungen in die Welt zu setzen und mit wissenschaftlich nicht abgesicherten Behauptungen die Leute verrückt zu machen.“

Das sitzt.

Und auch wenn eine Schwalbe noch keinen Sommer macht: So klare Worte von einer Ikone der „Linken“ sind ein Anzeichen dafür, dass die Mauer, mit der die Corona-Hardliner das Land umzogen haben, erste Risse bekommt. Julian Reichelt, der Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, sagte denn auch jetzt ganz offen: „Die Politik hat Angst davor, dass ihr großer Bluff auffliegt.“

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Zustände sind das!


Foto: Ursula Gressmann

heute früh um fünf
die fester auf
nach bleischwerer nacht
amselgeflöte überm rauschen der stadt
ein hund bellt unterm stillen mond
graublaue minute
noch keinen wurm gefangen
aber: frühling strotzt aus allen poren

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit | Schreib einen Kommentar