Morgenlandreise 86

Erlebe einen wundervollen Tag in meinem Raumhaus, wortwörtlich: ein Tag voller Wunder. In den fünf Nischen brennen jeweils eine Kerze, ich könnte auch zwei Kerzen hineinstellen, aber eine erfüllt ganz das, was ich will: eine Lichtflamme, ein Lichtauge auf dem Hintergrund einer weißgrauen Wand.

Inmitten des Raums hab ich meinen Schlafsack ausgebreitet. Ausgestreckt liege ich auf ihm und schaue ins Gebälk des Dachs. Der warme Wind, der vom Meer kommt, kraucht unter das Dach, bringt das Knistern der Palmblätter mit und läßt die Flammen der Kerzen leicht flackern. Es ist mehr ein Zittern.

Meine Bänder, türkische, persische, belutschistanische, indische, kann ich in der Stunde der Abenddämmerung bei Bobby hören, wenn ich einen Happen esse. Das Frühstück nehme ich bei Krishna ein. Dort darf ich weiterhin das Brausebad benützen. Tagsüber tummle ich mich am Strand, im Wasser, in den Palmenwäldern.

Mein Raum ist ganz dem Nichtstun gewidmet, dem Schauen und Zuhören. Schreiben, Zeichnen, Lesen werden draußen geschehn im Licht des Tags.

Mein Blick fällt ins Weiß der Wände, die Lichtsterne der Kerzen sind die Öffnungen ins All.

Zuhören auf die Stimmen des Winds, der das Ried des Dachs zum Rascheln bringt, die Äste der Bäume sich aneinanderreiben läßt. Die Bäume bilden die Resonanzkörper für eine nie verstummende Melodie. Aus der Ferne mischt sich darein der Rhythmus der Wellen.

Nichts bleibt zu tun übrig, irgendwann werde ich einschlafen.

 

 

 

 

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