Morgenlandreise 85

Unter den Palmen, einige Schritte von Bobby’s Cai Shop entfernt, findet heute am Sonntag ein Markt statt. Bauern und Gärtner bieten ihre Ware feil. Einige der ausgelegten Früchte hab ich noch nie gesehn, noch weiß ich ihre Namen, noch wie man sie zubereitet oder ob man sie roh ißt. Vier, fünf Händler sind aus der Stadt angereist und preisen Textiles an: buntscheckige Saris, weite pludrige Hosen, Westen mit aufgenähten Spiegelscherben, lustige Kopfbedeckungen, Topfiges, Hütiges, Mütziges, Kappiges.

Unter den Einheimischen wird dieser Markt, den es einmal im Monat gibt, sagte mir Krishna, allgemein Hippymarkt genannt. Und sehr hipp sieht der Markt auch aus. Alle sind fröhlich gestimmt, Inder und Westler sind einer Meinung; heute ist ein wunderschöner Tag. Todde is e naisde. Es wird gelacht und gescherzt. Vorhin hab ich einen Polizisten gesehn, oder ist er nur ein Marktaufseher? Er bummelte fröhlich zwischen den Ständen einher und schlug mit einem elfenbeinfarbnen Stöckchen, das er spielerisch in der Rechten hielt, rhythmisch in die Handfläche der Linken. Das ist eine Geste, die bei mir Gruseln auslöst, mich durchfuhr ein leichter Schrecken.

Zwischen den Ständen, oder ein bißchen davor, dahinter, daneben, haben einige Strandbewohner Tücher ausgelegt mit allerlei Krimskrams darauf, Kettchen mit Muschelanhängern, geflochtne Armreifen, wunderliche Pfeifen und Pfeifchen, Geschnitztes aus Kokosschalen, und mittendrin das ortsübliche Angebot: Opium, LSD, Grass, shit. Es fehlt nicht an mehrdeutigen Hinweisen für die Produkte. Auf den Zettelchen steht nicht etwa Opium, sondern einfach CHINA ist groß, nicht etwa shit, sondern Afghanistan ist eine Reise wert. Es liegt auch keineswegs das dermaßen Bezeichnete neben dem Zettelchen, es liegt überhaupt nicht auf dem Tuch, es liegt wohlgeborgen in der Obhut des Anbieters jeglicher vorwitzigen Betrachtung entzogen.

Auf dem Dampfer von Karatschi nach Bombay gab es unter den Westlern eine angsteinflößende Meldung: die Polizei der Zollkontrolle im bombayanischen Hafen fischten sich alle westlich Aussehenden heraus, um sie nach Drogen zu filzen. Nur mit einem Batzen Geld könne man sich freikaufen, wenn man nicht sowieso in den Knast müßte, jenachdem. Meinen Waschbeutel befreite ich von einem tiefschwarzen Klumpen Marihuana, ein göttliches Kraut aus der Gegend von Peschawar.

Der Kapitän des Schiffs, ein Engländer von echtem Schrot und Korn, sagte bei dem Schwatz den ich mit ihm hatte (worin ich nebenbei meine Besorgnis kundtat): Wissen Sie was, es wäre schade darum, die Fische können nichts anfangen damit, schenken dürfen Sie es mir nicht (er zwinkerte mir zu wie ein waschechter weltumsegelnder Brite), legen Sie ihre Schokolade daundda hin, so geht sie nicht verloren. Die Inder wollen natürlich Bakschich, nur so können sie ihr Gehalt aufbessern. Unter Umständen lochen sie einige ein, und die müssen dann zuhause um Lösegeld betteln.

Hatte der unter den Palmen lustwandelnde Polizist schon längst seinen Bakschisch ausgehandelt? Kannte er seine freaks?

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