Morgenlandreise 82

Bobby brutzelt einfache, wohlschmeckende Gerichte auf einem Gaskocher, zu jeder Tageszeit, wann immer du willst. Wenn du um drei Uhr nachmittags zu ihr kommst, mit einem Fisch, den du von einem Fischer am Strand gekauft oder auch geschenkt bekommen hast, so brät sie ihn dir. Zu kaufen gibt’s die Fische in der Regel am frühen Morgen. In der Morgendämmerung kommen die drei einfachen klobigen Ruderboote, die es in der kleinen Bucht von Bardez gibt, vom Fang zurück. Einmal war ich in der frühen Stunde dabei, als die Fischer ihre Boote an Land zogen. Sie stehen dann bis zu den Hüften im Wasser, um jedesmal, wenn eine Welle anbrandet, ihren Kahn weiter an Land zu wuchten.

Die fischhungrigen Frauen und Männer warten bereits am Strand. Nicht viele Fische sind es, die verteilt werden, aber für jeden gibt‘s einen oder mehrere, je nach Größe der Fische und Größe der Familie. Es wird ein wenig gefeilscht, aber man kennt sich und die Fische, und nach einer halben Stunde Hinundhers hat jeder seinen Käufer gefunden.

Die drei Boote liegen nun verlassen am Ufer, nur mehr die Brise landeinwärts, die die Blätter der Palmen summen läßt, und der gleichmäßig atmende Takt der Brandung füllen die Zeit. Kein Ortsfremder, der jetzt vorbeikommt, weiß etwas von neun Männern, die in der Nacht auf offener See sich abmühn für eine Handvoll Fische.

Aus Bobby´s Cay shop kann ich durch die Stämme der Palmen hindurch auf das dunkelnde Meer hinausschaun. Zu dieser Stunde, wo die Nacht hereinbricht, frischt der Wind auf, ab und zu läßt eine Bö eine Palme ächzen. Ein harziger Duft, in den sich die aufsteigende Wärme des Sands, der Duft der Gräser und Moose mischt, betört die Nase.

Ganz selten sitzt ein Einheimischer bei Bobby. Ihre Preise sind für Europäer gedacht. Sie kann es nicht einrichten, zweierlei Maß anzulegen wie es in vielen Lokalen der Städte geschieht. Ein Uneingeweihter merkt es kaum, wie Einheimische in den Städten oftmals für die gleiche Sache nur einen Bruchteil dessen zahlen, was Reisende zahlen.

Anjuna Beach, wie der zwölf Kilometer lange Sandstrand entlang der Malabar-Küste des Indischen Ozeans genannt wird, hat noch keine entstellenden Hotelbauten, keinerlei Attraktionen, die den Massentourismus anlocken. Menschenleer liegt der Strand während der Hitze des Tags nur den Wellen des Ozeans hingegeben. Erst in den frühen Abendstunden bevölkern einige europäische Müßiggänger den allmählich sich abkühlenden Küstenstreifen. Dann spazieren auch indische Väter und Mütter, ihre Jüngsten auf dem Arm, am Wasser vorbei. Die Frauen und Mädchen raffen ihre Saris über die Knie, die Männer und Buben krempeln ihre Hosen hoch, so waten sie durchs seichte Wasser. Niemals habe ich sie im offenen Meer planschen sehn oder gar schwimmen. Wenn mich nicht alles täuscht, so überlassen sie das den Fremden, sie selbst machen sich offenbar nichts daraus.

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