Morgenlandreise 27

Abadan

Mit dem Fotografieren hat es seine Schwierigkeit. Sobald ich anfange, ein Gebäude, einen Straßenzug oder derlei zu fotografieren, schieben sich einige Halbwüchsige vor meine Linse, he, Mister und deuten auf mich. Dann laufen immer mehr und mehr zusammen. Alle möchten fotografiert werden, in der Schar oder allein, mit dem heimlichen Wunsch, gleich das Bild zu kriegen. Sie können sich nicht vorstellen, was ich anderes fotografieren könnte. Im Irak hab ich meine Kamera nicht angefaßt, sie lag wie nicht vorhanden zutiefst in meinem Seesack. Dann gibt es Situationen, wo ich nie und nimmer Fotos machen könnte. Während der Geißlerumzüge etwa, da bin ich wie gelähmt. Das sind Augenblicke, die eine Kamera schänden würde in meinen Augen. Dazu braucht es die Nerven des Profis, eiskalt und beherrscht, nur das geglückte außergewöhnliche (und zu Geld machende) Ergebnis im Sinn.

Jemand schreibt meinen Namen in Farsi in mein Reisebuch. Wahrscheinlich hat er Rolf Hannes lautmalerisch ins Persische übertragen, ich weiß es nicht. Die Perser schreiben, obwohl von rechts nach links, rechtshändig, sie schieben die Schrift vor sich her. Wenn sie das europäische Symbol fürs Herz vor sich haben, sehen sie eine umgekehrte 5. Die Null ist ein auf die Spitze gestellter kanntiger Punkt.


So zählen die Perser: jek do sä tschahar pansch shesh haft hasht noh dah. Ein aufgeweckter Junge, der in der Schule Deutsch lernt, hat es mir aufgeschrieben und buchstabiert, und ich, so gut ich konnte, habs notiert.

Die Schwierigkeit ist, die einzelnen Dinge in Einklang zu bringen. Ein Taxi, das mich von der Grenze (Shalamcheh) nach Khorramshar fuhr, wollte für diese wenigen Kilometer 70 Rial. (Den Bus, der mich für ein Nichts in die Stadt gebracht hätte, hatte ich in der Zollstation verpennt.) Heute zahlte ich für 25 km, von Khorramshar nach Abadan 20 Rial. Im Irak kostet 1 Liter Benzin 1 filis, also 100 Liter 1 Dinar (etwa 8 Mark?). Ein Zimmer in einer Absteige mit dreckigen Laken kostete mich etwa 7 Dinar für die Nacht, ein bescheidenes Abendessen 2. Eine Nacht in einem lausigen Hotelbett für 70 Liter Benzin. So läufts im Orient.

Der deutsche Mittelsmann in Bagdad beschrieb die irakische Mentalität. Er bespricht etwas mit einem führenden Boß einer Firma. Der beteuert mehrmals, ja, so machen wirs. 8 Tage später weiß er von nichts, wird wütend, schreit und spielt den Beleidigten.


Das war mein Bäcker in Abadan. Ich vermute, er buk sein schmackhaftes Brot (Fladen, dessen Teig er mit Grandezza im eiförmigen Ofen an die Wand warf), bei loderndem Feuer vom Abend bis in den späten Morgen. Er war einer derjenigen, bei dem ich mein Vertrauen zu Menschen wiederfand.

 

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