Ludwig Wittgenstein Folge 2

Ludwig Wittgenstein 1930

Animiert auch von Gottlieb Frege (Begründer der modernen Logik – Präzisierung der Sprache mit Hilfe der Mathematik) sucht Wittgenstein vor allem nach dem Ende des Fragens. Er fragt nach sinnvollen Grenzen des Redens (so wie Kant etwa nach den Grenzen der Erkenntnis). Die Philosophie soll nach Wittgenstein die Grenze des Unsagbaren markieren. Diese Grenze des Unsagbaren vom Sagbaren her zu bestimmen gilt sein Hauptaugenmerk. Man mißdeutete ihn als Wissenschaftstheoretiker, was er jedoch nicht war. Vielmehr setzte er sich mit Worten konkret auseinander. Er spricht vom Abbild der Tatsachen, nicht der Dinge. So könne man zum Baum Baum sagen, aber wie sei es mit Worten wie sogar oder fünf? Was ist sogar für ein Ding? Gibt es eine Fünfheit? Die Logik hat einen rein tautologischen Charakter, das dem Denken und Sein gemeinsame könne nicht ausgesagt, sondern nur gezeigt werden mittels Symbolen, bzw. Zeichen.

Daher muß Tiefe in die Sprache hineingedacht werden. Cäsar wird von Brutus ermordet. Oder: Brutus ermordet Cäsar. Das diesen Aussagen Gemeinsame liegt in der Formel aRb. a steht für Cäsar, b steht für Brutus, R steht für Relation. a steht zu b in einer Relation. Sprechen wir also über die Welt, gibt es nur einen logischen Sachverhalt. Da reine Gedanken durch die Sprache verkleidet werden, müssen wir wieder zu einer logischen Form (Tiefenstruktur) kommen.

Das Abbild: Grammophonplatte, musikalischer Gedanke, Partitur, Schallwellen, ihnen allen ist ein logischer Bau gemeinsam, sie stehen in einem internen logischen Zusammenhang, beziehen sich gewissermaßen aufeinander.

Wie kommt nun Wittgenstein von der logischen Form zu etwas Substantiellem? Das Abbild zeigt nicht das Abgebildete. Man schaut durch das Abbild hindurch auf den Sinn des Abbildes, wobei der Verweisungscharakter keineswegs klar ist. Man müßte, um über Sprache zu sprechen, eine Sprache jenseits der Sprache erfinden. Wittgenstein lehnt dies ab. Es bleibt also somit das Zeigen und Schauen.

Später relativiert Wittgenstein in seinen philosophischen Untersuchungen diese reine Form der Logik, er sieht darin nichts Erfindbares, da die logische Form auf nichts verweist. So muß man empirisch vorgehen. So passen rot und rund zusammen, aber nicht rot und grün, da sich dies beißt (Ausschließungscharakter). Das Abbild mißhagt Wittgenstein, denn sie gibt keine Sicherheit. Mit Sprache könne man alles und nichts aussagen. Es gibt nichts Verborgenes mehr in der Sprache, keine reine Logik der Form. Man muß suchen nach dem, was da ist.

So kommt Wittgenstein zu den Sprachhandlungen. Er entwickelt eine Art Grammatik, nicht im Sinne unserer Natursprachen (Subjekt, Objekt etc.), vielmehr eine allgemeinere, grundsätzlichere Grammatik, welche zur Beschreibung des Kontexts von Sprache und Welt verwendet werden kann. Diese Grammatik dient als Handlungsregel von Worten. Sprachhandlungen finden in der Welt statt und es gibt hier keine Trennung von Sprache und Welt. Die Harmonie zwischen Sprache und Welt entsteht durch den Kontext der Handlungsregeln.

Das Wort Baum bezeichnet also nicht das Ding Baum, sondern tritt mit dem Ding in eine Harmonie, so dass es Sinn macht, Baum zu sagen. So kann es sinnlose Sprachhandlungen geben, die eben mit dem Kontext nicht in Harmonie stehen. Wenn ich jetzt behaupte, daß gerade ein Elefant durch mein Zimmer geht, während ich dies schreibe, so stört dies den Kontext, die Harmonie dieses Texts als Welt.

Fortsetzung folgt.

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