Lieder der Baul-Mystiker 3

Lieder der Baul 3

Baul mit der kleinen Kesseltrommel duggi, Foto: Paul Chavez

Komm, wenn du den Neuen Mann treffen willst.
Er hat seinen weltlichen Besitz aufgegeben für den Bettelsack,
den er geschultert hat.
Er spricht von der Ewigen Mutter (Kali, die Göttin der Zeit),
selbst wenn er in den Ganges steigt.

Einfaches kann Beschränktheit und Unglauben verwandeln:
Kali und Krishna sind eins. die Wörter sind verschieden,
das Gemeinte ist genau gleich.

Er, der die Schranken der Wörter
überwunden hat, löst sie auf:
Allah oder Jesus, Moses oder Kali,
Reicher oder Armer, Weiser oder Narr,
alle sind sie eins und gleich für ihn.

Vertieft in eignen Gedanken, erscheint er andern verrückt.
Er öffnet seine Arme die Welt zu umfangen,
ruft alle zur Fähre, überzusetzen zur Küste des Lebens.

 


Seit Jahrhunderten wandern in der indischen Provinz Bengalen und dem angrenzenden Bangladesch Baul-Mystiker durchs Land. Sie vereinen in ihren Liedern tantrische, sufische und hinduistische Traditionen. Das Wort Baul kommt aus dem Sanskrit, man könnte es sowohl mit entrückt wie mit verrückt übersetzen. Eine Erkenntnis ihrer Religiosität ist die Gewißheit, daß das Göttliche nicht im Jenseits zu finden ist, sondern in jedem Menschen selbst.

Dieser Beitrag wurde unter Innenleben abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.