Leben wir in einem freien Land?

Natürlich leben wir in einem freien Land. Wie könnte man das Gegenteil behaupten. Die Meinungsfreiheit ist geschützt, die freie Meinungsäußerung, wie könnte es anders sein, denn es steht so im Grundgesetz. Aber schon der Argwohn, es könnte durchaus nicht immer so sein, öfters nicht so sein und aus dem Argwohn eine Vermutung, ein begründeter Verdacht erwachsen, es ginge nicht immer frei und geschützt zu, dann, so argwöhne ich, würde sich bald herausstellen wie unfrei und unschützend unsre Demokratie, unsre besungene Freiheit ist.

Dann, so vermute ich, wird gut und gerne die Freiheit geschützt und besungen, die der jeweiligen herrschenden Mehrheit willkommen ist.

In den letzten Wochen machte ich eine Erfahrung, von der ich berichten möchte. Meine Beobachtung begann mit einer Ausstellung über die Vertreibung der Palästinenser, die 1948 begann, von den Betroffenen Nakba, die Katastrophe genannt. Über den Beginn dieser immerwährenden Vertreibung und Entrechtung, sie dauert bis zum heutigen Tag an, informierte diese Ausstellung, die größtenteils auf Quellen jüdischer Historiker oder UN-Berichten fußte.

Aufgepaßt 28 Leben wir in einem freien Land?

© Rolf Hannes

Danach besuchte ich drei Vorträge, die sich gleichfalls mit der Nakba beschäftigten. Alle drei wie die vorausgegangene Ausstellung von der Obrigkeit unsrer Stadt Freiburg mißbilligt. Und, um nicht in ein Verbot seitens der Stadt zu laufen, mehr oder weniger im privaten Verborgenen gehalten. Wer waren diese drei Vortragenden? Es sind sehr ehrenwerte Männer (siehe meinen Text EXTRAPOST 14, EXTRAPOST 17, EXTRAPOST 19), die nur von ihrer unmittelbaren Erfahrung sprachen.

So auch der Redner des vorgestrigen Vortrags, Werner Ruf, zuletzt bis 2003 Professor an der Uni Kassel für internationale und intergesellschaftliche Beziehungen und Außenpolitik.

Was nun fällt mir auf? Alle drei waren einmal in höheren Positionen, sie sind es nicht mehr. Nun dürfen sie frei sprechen, was immer sie wollen. Im Privaten. Nie und nimmer würde die freie Stadt Freiburg in einem freien Land so frei sein, Werner Ruf ein Podium zu bieten, worin er äußern dürfte, die Gesetzgebung Israels sei rassistisch, sie sei menschenverachtend und spotte den im Westen in Sonntagsreden hochgehaltenen Menschenrechten. Er dürfe nie und nimmer sagen, die israelische Politik sei dabei, Gesetze zu schaffen, um nach und nach die ursprünglich im weiten Raum Palästinas beheimateten Palästinenser in den Gazastreifen abzuschieben, in diesen kleinen Schnipsel Land zu pferchen, um sie dort verrotten zu lassen.

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