Kriegsausbruch

Kriegsausbruch am 1. September 1939 und die globale Sprengkraft geöffneter Moskauer Archive

Es wird alles aus Russland im Westen begierig aufgenommen, was sich in der Auseinandersetzung mit dem russischen Präsidenten Putin gegen ihn verwenden läßt. Diese westliche Verhaltensweise kennt eine Ausnahme. Es wird das unter den Tisch gekehrt, was westliche Konsequenzen zur Folge haben müßte. Musterbeispiel ist dabei die Ankündigung des russischen Präsidenten Putin, die Moskauer Archive über das Gesamtspektrum, das 1939 zum Krieg des Deutschen Reiches gegen Polen und über die Kriegserklärung der damaligen Globalmächte Frankreich und England zum Zweiten Weltkrieg führt, vollständig offen zu legen. Dieser Ankündigung kommt die russische Regierung kontinuierlich nach. Wem das nicht umfassend genug sein sollte, der könnte seine entsprechenden Vorstellungen öffentlich machen. Von keiner westlichen Regierung ist seit der Ankündigung auf Archivöffnung durch Herrn Präsidenten Putin bekannt geworden, jemals einen derartigen Wunsch geäußert zu haben. Warum sind seitens der Bundesregierung nicht Überlegungen zur Kooperation bei dieser Archivöffnung in Moskau an die russische Seite geäußert worden? Warum sind andere westliche Regierungen nicht nur des historischen Gesamtbildes wegen, diesem russischen Beispiel gefolgt?

Zum Schutz eines „nützlichen“ Geschichtsbildes?

Ist das zum Erhalt eines nützlichen Geschichtsbildes deshalb nicht möglich, weil anderenfalls Großbritannien nicht in der Lage wäre, seinen „historischen Giftschrank“ seit dem Krim-Krieg und nachfolgend mit Millionen Dokumenten unter Verschluß zu halten? Befürchtet man in London, daß über eine komplette Öffnung britischer Archive seit Mitte des 19. Jahrhunderts das bisherige Geschichtsbild nicht mehr aufrecht erhalten werden könnte? Nicht nur im Falle von Rudolf Hess mit seinem „Flug gen Engeland“ im Vorfeld des Angriffs des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion 1941? Sondern auch wegen alliierter Planungen, den Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 mit verbliebenen Großeinheiten der Wehrmacht zu einem gemeinsamen Kampf gegen die Sowjetunion zu nutzen? Da die Geschichte des gesamten vergangenen Jahrhunderts das „heute“ maßgeblich bestimmt, muß bei dieser westlichen Verweigerungshaltung unterstellt werden, auf diese Weise mögliche Korrekturen am bestehenden Geschichtsbild nicht eintreten zu lassen. Das gilt in gewisser Weise auch für die deutsche Seite, deren Regierungsakten durch die Westmächte erst in den fünfziger Jahren wieder herausgegeben worden sind, was die Zeit des Deutschen Reiches 1933 bis 1945 betrifft. Bis heute hat niemand die Frage beantwortet, ob diese Aktenbestände wieder so in deutsche Hände gelangt sind, wie sie ursprünglich erstellt worden waren?

Die Öffnung der Archive hat es in sich

Die Öffnung von Archiven über die internationale Politik durch Moskau hat es in sich und im Falle Deutschlands die Wirkung einer „historischen Zarenbombe“. In Moskau/St. Petersburg hat sich nach der Oktoberrevolution Vergleichbares schon einmal zugetragen. Die neuen bolschewistischen Machthaber publizierten das, was bislang nicht die Augen der Öffentlichkeit erreicht hatte. Dies geschah nicht nur deshalb, weil die neuen Herrscher im russischen Reich eigenem Bekunden nach etwas gegen „Geheimdiplomatie“ hatten. Sie werden sich der Wirkung auf die kriegführenden Mächte des Ersten Weltkrieges bewußt gewesen sein, als sie den Schriftverkehr höchster jüdischer Repräsentanten mit den Staatschefs der Entente-Mächte und der Mittelmächte zu der Frage einer „jüdischen Heimstatt Palästina“ in der Konsequenz des britisch-französischen Sykes-Picot Abkommens aus dem Jahre 1916 veröffentlichten. Dieses Abkommen war nicht nur darauf gerichtet, gegen das Osmanische Reich eine Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens herbeiführen zu können.

Fortsetzung folgt übermorgen.

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