Hiob kämpft mit Gott

Corrado Giaquinto: Satan erscheint vor Gott, Ölgemälde, etwa 1750

Nun – wie sagte es einmal eine Mafia-Anwältin so schön: Was wissen Sie über Macht? Ich erkläre es ihnen. Wer die Macht hat, kann auf andere scheißen. Wer keine Macht hat, wischt die Scheiße weg.

Wenn der ganze Spuk vorüber ist, wird sich die Gesellschaft in die teilen, die die Scheiße wegwischen und die, die darauf scheißen. In diesem Sinne las ich gestern das Buch Hiob (einem der ziemlich viel Scheiße wegwischen musste) noch einmal ganz durch (was eine Schweinearbeit war, denn es ist ein dickes und sehr zähes Buch). Und da fiel mir etwas auf. Im Grunde ist das Buch Hiob atheistisch. Denn Gott beweist nichts. Hiob sieht nur die Welt, denn er betrachtet sie mit den Augen eines Menschen der im Grunde nichts mehr zu verlieren hat. Tatsächlich steht er völlig nackt vor dieser Welt und ohne Besitz, ohne Verlangen danach (das ist wichtig). Ob er gerne lebt oder nicht, das spielt einfach keine Rolle. Es ist egal. Das ist purer Nihilismus. Hiobs Scheitern seines Rechtsstreites mit Gott, zeigt nur eines an: Es gibt keinen Fall. Gott erscheint zwar. Aber die Klagen von Hiob bemerkt er gar nicht. Hiob fordert Gott mit einem Reinigungseid (Anklage wegen unvollständiger Beweislast) heraus. Gott geht überhaupt nicht auf den Reinigungseid ein. All das ist einfach uninteressant für Gott. Beweislage? Gott scheißt drauf. Er hat die Macht. Du stehst mit deinem Elend vor dem Richter, aber der Richter sieht dein Elend gar nicht. Die Klage ist so sinnlos wie das Bedürfnis Superkräfte zu haben. Hiobs Klage ist lediglich eine Entlastungsphantasie. Ansonsten wird für Hiob am Ende klar, dass das alles viel, viel größer ist als er. Seine ganze Klage ist lächerlich. Damit werden aber auch die ganzen Weisheitslehren (zu denen zählt ja auch das Buch Hiob) ad absurdum geführt. Es geht nicht um Verantwortung, nicht um Treue, nicht darum zu bereuen, um Sünde oder Bußfertigkeit. Es geht nur um Macht.

Die ganze Zivilisation – so ja auch ein Zeuge Hiobs, nämlich Nietzsche – ist ein Spiel der Macht. Und zwar – auch das wusste Nietzsche, da wurde er nur nie verstanden – nicht der menschlichen Macht, sondern der transzendenten Macht. Das ist das, was wir eben erleben. Ein kleiner, verschissener Virus hebelt die moderne Gesellschaft aus. Das ist wahre Macht. Und ein Pummelchen im blauen Kostüm sitzt vor den Fernsehkameras und ist nichts weiter als der Witz der Macht, ihre Parodie. Ich mag das dicke Mädchen mit dem Nussknacker-Gesicht ganz gern, ehrlich. Aber ein Virus lässt sich nicht durch Fernsehansprachen besiegen. Das ist so komisch, dass man vor Lachen heult.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.