Hilfsorganisationen 5

Hilfsorganisationen 5

Zeichnung: Rolf Hannes

Die beiden Frauen, Bertha und Anna, unterhalten sich weiter.

B: Säh die Welt nicht noch schlimmer aus ohne die Hilfsorganisationen?
A: Nein. Man müßte sie verbieten, sie überflüssig machen.
B: Sind sie so schädlich wie die Entwicklungshilfe?
A: Die ist ein riesiges Geschäft und keine wirkliche Hilfe.
B: Und was ist Ihr Argument, alle diese Hilfen zu verbieten?
A: Sie zementieren die Not und Abhängigkeit der Armen.
B: Das müssen Sie mir erklären.
A: Schauen Sie. Wenn es lauter Mutter Teresas gibt und Hunderte von mildtätigen Organisationen, dann sagen die Reichen und ihre Regierungen: Was wollt ihr?
Überall wird doch geholfen.
B: Sie meinen, dann haben sie ein gutes Alibi, sich nichts vorwerfen zu müssen.
Sie können dann ihre dreckigen Geschäfte sauber weitertreiben.
A: Genau so ist es. Nehmen Sie doch nur mal die Minen, die überall eingesetzt werden.
B: Und vielen Menschen das Leben kosten, oder Arme und Beine abreißen.
A: Wenn dann so ein Kind in Afghanistan auf eine Mine gelaufen war, wurde es mit Medientamtam in einer westlichen Klinik zusammengeflickt.
B: Und die Krückenhersteller standen schon bereit.
A: Es ist rundum ein lohnendes Geschäft. Für die Hersteller der Minen, für die, die
die Minen entschärfen, für die Ärzte, für die Krückenhersteller.
B: So bedient einer die Existenz des andern?
A: Ja. Mutter Teresas halten die Not am laufen. So wird Ungerechtigkeit verschleiert.
Die Reichen bleiben oben, die Armen unten.

Fußnote: Die Hilfen sind das rührselige und verlogene Alibi für die Reichen und Mächtigen, den Status quo zwischen Arm und Reich zu erhalten.

Als Einübung in die Philosophie des Alltäglichen zu beherzigen:

Das Halbwissen ist siegreicher als das Ganzwissen: es kennt die Dinge einfacher, als sie sind, und macht daher seine Meinung faßlicher und überzeugender.

                 Friedrich Nietzsche ◊ Menschliches, Allzumenschliches

Der Einwand, der Seitensprung, das fröhliche Mißtrauen, die Spottlust sind Anzeichen von Gesundheit: alles Unbedingte gehört in die Pathologie.

                  Friedrich Nietzsche ◊ Jenseits von Gut und Böse

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