Herbstnachmittag

Es dunkelte bereits, als er vorüberging. Ein Oktobernachmittag um halb vier. Sie sah seinen entschlossenen Blick und seine hängenden Schultern, die Staubkörner auf seinem glänzenden Hut, den er zog , als Frau Dunlacher ihm entgegen kam. Er grüßte ohne zu lächeln. Sie blieb stumm hinter ihrem Fenster. Als er um die Ecke bog, fiel ein Blatt vom Kastanienbaum.

In Gedanken stieg sie eine Station zu früh aus. Der Tag hatte ihr zugesetzt und sie war im Kopf noch bei Frau Sauer, die sie für morgen Vormittag zum Gespräch gebeten hatte. Noch nie war sie hier gewesen. Der nächste Zug ging in 25 Minuten. Also ging sie einfach weiter die unbekannte Straße entlang. Pflaumenkuchen mit einer Tasse Kaffe 3 Euro lockte ein Schild vor einem Café. Sie erinnerte sich nicht, wann sie zuletzt Pflaumenkuchen gegessen hatte. Sie war der einzige Gast und nahm unter der Markise Platz, wohin ein Rest Herbstsonne fiel. Gegenüber hielt ein Bus und entlud Passagiere des nahen Flughafens. Trolleys, Handys, Kappen und sonnengebräunte Gesichter rannten, um den Zug zu erreichen. Die 25 Minuten waren fast vorbei. Sie blieb sitzen. Das selbe noch einmal, sagte sie, als der Kellner an ihren Tisch kam.

Agnes Doering - Herbstnachmittag

Zeichnung: Rolf Hannes

Alle kannten Frau F., doch niemand wusste, wo sie wohnte. Sie trug im Frühjahr eine rosa Jacke und im Herbst eine braune Mütze mit dazu passenden Handschuhen. Es hieß, sie hätte eine Katze gehabt und früher bei der Post gearbeitet. Jedes Jahr brachte sie dem Zoo einen Sack Eicheln und Kastanien. Dort gab es jemanden, der sie vermisste, doch er sprach nicht darüber. Frau M. meinte, sie noch kürzlich gesehen zu haben. Sie trug eine braune Jacke. An Handschuhe konnte sie sich nicht erinnern.

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