Geschenke, subjektiv genommen


Zeichnung: Rolf Hannes

Geschenke, subjektiv genommen,
sind nicht in jedem Fall willkommen.
Sie haben oft die Eigenschaft,
daß sich die ganze Leidenschaft,
die man für dies und das verschwendet,
sich nur noch jenem Ding zuwendet.

So ging’s Hans-Hugo, ohne Zweifel
Familienvater aus der Eifel.
Kaum hat er sein Geschenk entblättert,
wird jede Hoffnung jäh zerschmettert.
„Wie blöde!“ schreit Hans-Hugo innen,
gerät allmählich ganz von Sinnen.

Sogleich beginnt dann jenes Bohren,
das Rucken, Zucken und Rumoren.

Und: Aus ist’s mit dem Weihnachts-Märchen,
mit Tannenbaum und Gummibärchen,
vorbei der Glanz des Kerzenscheins.
Kurz: Jede Form gewohnten Seins,
die sonst real erscheint und wichtig,
wird für Hans-Hugo null und nichtig.

Noch will sein Kopf das Ganze schlichten.
Ob es gelingt? Oh nein, mitnichten.
Sieh an, wie alte Liebe rostet!
Es zählt jetzt nur, was Nerven kostet.
Und dann – mit Toben und Gesaus –
quillt die Geschenke-Wut heraus.

Hans-Hugo sucht voll Haß sein Opfer,
entfremdet Omas Teppich-Klopfer,
zerlegt zunächst die Weihnachts-Gans,
tritt danach Waldi auf den Schwanz,
räumt – Schaum vorm Mund – den Christbaum leer.
Jetzt geht sein Atem schon recht schwer.

Ein letzter Schlag, der Klopfer bricht.
Hans-Hugo stirbt, die Gattin nicht.

So nahm das Drama seinen Lauf
und hörte erst am Ende auf.
Geschenke, subjektiv genommen,
sind manchem gar nicht gut bekommen.

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