Eine unselige Allianz 2. Teil

Vom Papst nicht thematisiert

Die illegalen und die seit 2002 legitimierten „präemptiven Kriege“ der USA – sie setzten nur noch eine gefühlte Bedrohung voraus – wurden vom Papst nicht thematisiert. So fehlt auch die konkrete Verurteilung der US-Drohnenmorde. Diese „Enzyklika Fratelli tutti“ scheint nach den Enzykliken „Lumen fidei“ (Über den Glauben, 2013) und „Laudato si“ (Über die Sorge für das gemeinsame Haus, 2015) der Schlussstein zu sein, der ebenfalls in die Nähe von Schwabs Great Reset zu rücken ist. Die Gründerin des Rates und geschäftsführende Gesellschafterin von „Inclusive Capital Partners“, Lynn Forester de Rothschild, versprach, dass der „Rat“ der Mahnung von Papst Franziskus folgen und auf den Schrei der Erde und den Schrei der Armen hören wird. Weiter erklärte sie, „der Kapitalismus hat enormen globalen Wohlstand geschaffen, aber er hat auch zu viele Menschen zurückgelassen, er hat zur Degradierung unseres Planeten geführt und genießt in der Gesellschaft kein großes Vertrauen“. Wahre Worte. In der Tat trifft die seit 107 Jahren agierende Finanzelite Mitschuld am Zustand des geschundenen Planeten. Und nun wollen genau diese Kräfte den Kapitalismus zu einem stärker inklusiven Instrument für integrales menschliches Wohlergehen machen? Ein Blick in die Mitgliederliste der „Wächter“ lässt berechtigte Zweifel zu. Hier finden sich fast ausschließlich Vertreter der westlichen Welt, Russland und China fehlen. Auch das Logo des „Rats“ zeigt die einseitige Interessenlage: Auf der Weltkugel sind nur Amerika, Afrika und Europa abgebildet.

Mit wem sitzt Papst Franziskus in einem Boot?

Lady Lynn Forester de Rothschild hat an der Wall Street und im Telekom-Bereich sehr erfolgreich gearbeitet, bevor sie sich mit dem 90-jährigen Multimilliardär Sir Evelyn de Rothschild und dessen angeblich 20 Milliarden Dollar schwerem Vermögen zusammentat. Eine langjährige Freundin Lynn Foresters, die frühere Partnerin des wegen Kinderprostitution und Menschenhandel verurteilten Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, wartet aktuell auf ihre Gerichtsverhandlung. Sie ist als Komplizin angeklagt und versucht derzeit mit einer angebotenen Kaution von 28,5 Millionen Dollar, bis zu ihrem Prozess aus der Haft zu kommen. Für den deutsch-amerikanischen Autor und Wirtschaftsjournalisten William Engdahl handelt es sich bei dem „Rat“ „wohl um eine der zynischsten und mit Blick auf die Teilnehmer gefährlichsten Schwindeleien, seit der Weltwirtschaftsforum-Guru und Henry-Kissinger-Protegé Klaus Schwab den „Großen Neustart“ für die kapitalistische Weltordnung ausgerufen hat.“ Dieser „Neustart“ wird in eine Welt totaler Kontrolle und Unterordnung unter die Diktatur des digital-finanziellen Komplexes führen. Die NGO ́s als Sturmtruppen global agierender milliardenschwerer Weltbeglücker sind durch ihre philanthropische Verpackung besonders gute Ideologieträger, die durchaus auch humanitäre Ziele verfolgen. Der Kommunikationswissenschaftler Rainer Mausfeld bezeichnet sie als „Trojanische Pferde“, die das Geschäft ihrer Geldgeber betreiben, die über großzügige Zuwendungen massiv auf die Organisationen Einfluss nähmen. Auffällig sei ja bei AVAAZ, Human Rights Watch und ähnlichen Organisationen die „Änderungsenergie und Empörung“, die sie nicht auf die eigentlichen Zentren der Macht richteten – das sei „gedankliches Sperrgebiet“ -, sondern auf Ablenkungsthemen, mit denen sie ideologische Rattenfängerei betrieben. Mausfeld empfiehlt, mehr nach der eigentlichen Rolle dieser NGO ́s zu fragen.

Fragwürdige Millenium-Preisträger

Natürlich fällt es schwer, den Vatikan im Netz der weltbeglückenden Globalmilliardäre zu verorten. Sollen die vermeintlich gemeinsamen Ziele die Mittel heiligen? Im Mai 2016, ein Jahr nach der Enzyklika „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“, wurde im Vatikan der „Internationale Karlspreis zu Aachen an Seine Heiligkeit Papst Franziskus verliehen, in Würdigung seines herausragenden Engagements für Frieden, Verständigung und Barmherzigkeit in einer europäischen Gesellschaft der Werte“ (dabei hatte sich der Papst nie zu den verbrecherischen Kriegen in Nordafrika oder den mannigfachen Drohnenmorden unter Obama geäußert). Zu den vorherigen Empfängern des Karlspreises zählen Bill Clinton, Tony Blair und Winston Churchill. Im November 2016 bekam Franziskus für seine großartigen Verdienste um das Miteinander der Menschen den BAMBI in der Kategorie ‚Millennium‘. Millennium-Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderem Bill Gates und Bill Clinton. Über die vielfältigen Aktivitäten des Vatikans auf dem Gebiet der „integralen Entwicklung des Menschen“ schrieb im Juli 2020 der Journalist Guido Horst, dass sie im November 2019 mit der Privataudienz von Melinda Gates bei Franziskus nochmals eine Intensivierung erfahren hätten, „was der Vatikan nicht offiziell bestätigt, aber der Vatikankorrespondent des „National Catholic Register“, Edward Pentin, vermeldet hat. Bei dieser Gelegenheit dürfte die Gates-Gattin eine erhebliche Summe im Vatikan zurückgelassen haben“. Ebenfalls im November 2019 tagten Experten aus aller Welt in den vatikanischen Gärten, um Lösungen gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu finden. „Die Verschwendung der Lebensmittel ist mit schuld am Hunger und am Klimawandel“, twitterte Papst Franziskus. Organisiert war das zweitägige Treffen mit Unterstützung der Rockefeller Foundation.

Die Global Player als Apostel neuer Nachhaltigkeit?

Am 29. Dezember 2020 schließlich verabschiedete der Vatikan ein 20-Punkte-Papier zu Corona-Impfungen und forderte katholische Institutionen auf, sich an der weltweiten Impfkampagne zu beteiligen. Dieses Papier liegt voll auf der Linie von Bill Gates. Impfmittel, die mit Hilfe abgetriebener Föten hergestellt werden, wurden ausdrücklich zugelassen. Impfgegner werden als unsozial kritisiert, da die verweigerte Immunisierung zum Risiko für andere werden könnte. Durch den Schulterschluss des Vatikans mit den weltweiten Bestrebungen der Macht- und Finanzelite begibt sich Papst Franziskus auf ein Terrain, das seinem offiziellen Auftrag und seinem Amt diametral entgegensteht. Von der Botschaft Jesus Christi, der sich nie auf die Seite der Mächtigen gestellt hat, für den Demut und Liebe der Kern des Glaubens waren und nicht der Kampf gegen vermeintliche Schädlinge, ist diese Haltung jedenfalls weit entfernt.

  Wolfgang Effenberger (* 1946) wurde mit 18 Jahren Zeitsoldat, studierte Bauingenieurwesen und erhielt als junger Pionieroffizier Einblick in das von den USA vorbereitete atomare Gefechtsfeld in Europa. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr Studium der Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik). Er lebt als freier Buchautor bei München.

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