Eine Lebensgeschichte Folge 5

Wußte mir keinen besseren Rat, als meinen Lehrmeister zu bitten, mich um meine Mutter, die krank im Bett liege, kümmern zu dürfen. Mein Bruder war nicht willens zu helfen, seine Frau unterstützte mich, indem sie mir etwas zum Mittagessen brachte. Mein Vater war damals Küchenchef im Restaurant der Mustermesse und hielt sich fern von der Familie. Er kam, auf meine dringende Bitte, vorbei, hörte sich kurz das verrückte Gebrabbele seiner Frau an, kam in die Küche, worin ich mich zurückgezogen hatte, um nicht durchzudrehn, und sagte, er brauche jetzt ein Bier, und verschwand. Als er wieder auftauchte, hatte er ein Geschenk für mich dabei, ein Taschenbuch über Lovis Corinth. Für deinen Einsatz, sagte er, er könne nicht bleiben, die Arbeit rufe.

(Es war ein Abschied für die nächsten 4 Jahre, erst danach trafen wir uns wieder.)


Zeichnung: Kurt Meier

Inzwischen hatte ich einem Psychiater den Zustand meiner Mutter geschildert. Abends, nach seiner Sprechstunde, kam er vorbei. Er stellte die Diagnose Delirium tremens mit der Bemerkung, meine Mutter könne auch zuhause bleiben, wenn ich sie pflegen würde, sonst müsse er sie in eine Psychiatrische Klinik einweisen. Ich antwortete, ich sähe mich außerstande die Pflege zu übernehmen, ich müsse dann meine Lehrstelle, meine Werkstatt, eigentlich mein ganzes Leben aufgeben. Wir kamen überein, sie in eine Psychiatrie einzuweisen.

Schon seit längerer Zeit hatte meine Patentante die nötigsten Arbeiten im Haushalt meiner Mutter übernommen. Sie war es auch, die nach ihrer Einweisung weiter für die Pflanzen und die allgemeine Sauberkeit im Haus sorgte.

Die Klinik, in der ich mich nach dem Zustand meiner Mutter erkundigte, gab mir die Auskunft: Sie ist im Augenblich nicht bei Bewußtsein, und es macht gar keinen Sinn, sie besuchen zu wollen.

Bald drauf rief mich die Klinik in meiner Werkstatt an. Sie wollte erfahren, wo ich abends und nachts erreichbar sei, denn der Zustand von Verena Meier habe sich drastisch verschlechtert. Abends wollte ich mich ein bißchen ablenken, um andre Gedanken in meinen Kopf zu bekommen, so sagte ich: Falls Sie mich nicht zuhause antrefffen, bin ich zwischen 21 und 23 Uhr im Kino Alhambra.

Wird fortgesetzt.

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