Eine gewagte Meditation

Ab einer bestimmten Verfassung des Hirns ist es wie in der Heisenberg’schen Unschärferelation: ist der Gedanke da, weiß man nicht woher er kam. Und weiß man woher der Gedanke kam, weiß man nicht wo er gerade ist. Entweder wir fühlen oder wir reflektieren das Gefühl. In der Reflexion ist das Gefühl verschwunden. Im Gefühl ist unser Gehirn nicht fähig zu reflektieren.

Denn: In dem Augenblick, wo man sich auf etwas Besonderes konzentriert, ist die ganze Schönheit des Universums weg, weil man nur noch das Einzelne sieht. Der Preis den man zahlt, wenn man die Schönheit des Universums als Ganzes erblickt (für den universalen Blick), ist jedoch der Schwachsinn. Im Gefühl ist der Geist erloschen. Die Lust der Esoterik und der Romantik (als deutsche Variante der Esoterik) sich auf Absolutes Wissen zu konzentrieren, muss stets gedrosselt werden. Wir reduzieren uns auf ein Individuum. Das Absolute ist das Losgelöste (absolutum). Um es mit den pathetischen Worten Arthur Schopenhauers zu sagen: Denn, wie auf dem tobenden Meere, das, nach allen Seiten unbegrenzt, heulende Wasserberge erhebt und senkt, auf einem Kahn ein Schiffer sitzt, dem schwachen Fahrzeug vertrauend; so sitzt, mitten in einer Welt voll Qualen, ruhig der einzelne Mensch, gestützt und vertrauend auf das principium individuationis.

Dieser Wertesubjektivismus führt in die Esoterik, bestenfalls in die Metaphysik.


Zeichnung: Rolf Hannes

Die Esoterik mit ihrem Tiefenblick ist als Ganzes losgelöst und bevollmächtigt das damit einhergehende Einzelne (principium individuationis) als Absolutes. So wurde das Ganze eins und absolut. Der Absolutismus des Rokoko war der Höhepunkt der esoterischen Macht. Die Grotte, die Muschel, das verquollene, verborgene Ich brachte den Zusammenbruch von Form als Ergebnis dieser Machtkonzentration. Diesem Zusammenbruch folgten zunächst die Auflösung durch die Revolution und dann die napoleonische Diktatur. Danach folgte die Erhebung des Einzelnen. Das Ich wurde zum Kosmos, eingeleitet von genialen Phantasten wie Sigmund Freud. Kaisertum und dann der Nationalsozialismus stellten die Form wieder her, reduzierten alles auf das Volk. Der Einzelne, das Individualprinzip wurde einfach auf das Volk, die Gemeinschaft überschrieben.

Fortsetzung folgt.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Innenleben abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.