Die Weltherrschaft

Ich liege faul auf meinem Sofa. Das mache ich fast jeden Tag. Gegen ein Kissen gelehnt schaue ich auf mein Bob Marley-Poster und überlege mir, was ich den Rest des Tags machen könnte. Zur Auswahl steht: Das Bad putzen (kommt selten genug vor), eine Runde durch den Park drehen, etwas googlen oder die Weltherrschaft an mich reißen. Ich entscheide mich für Letzteres.

Zur Unterstützung besuche ich meinen Nachbarn Jens, er ist IT-Experte. Außerdem besitzt er Aktien im asiatischen Raum, er erzählt es allen, ob sie’s hören wollen oder nicht. Er ist sofort Feuer und Flamme für die Sache.

Gemeinsam erstellen wir einen Masterplan. Jens schlägt vor, das Internet in unsere Gewalt zu bringen, da das wichtig ist für die Meinungsbildung. Ich jedoch tendiere dazu, einen Konzern zu schaffen, der ein Produkt verkauft, das jeder Mensch braucht.

Und was soll das sein? Keine Ahnung, erwidere ich und vergreife mich an Jens Gummibärchen. Wir könnten die weltweite Klopapierproduktion in unsere Hand bringen, aufs Klo muss schließlich jeder.

Oder aber wir erfinden einen Virus, der die ganze Menschheit vernichten würde und gleichzeitig ein Gegenmittel, das man uns teuer abkaufen müsste. Ich schüttle den Kopf: Die Idee hast du aus irgendeinem Film. Ich glaub nicht, dass da jemand drauf reinfällt.

Rüdiger Pradella - Die Weltherrschaft

Materialbild: Der kleine Gottseibeiuns von Pierre Bettencourt

Jens setzt sich vor seinen Laptop und tippt ein paar Begriffe ein. Keine 3 Sekunden später hat er den Wikipediaeintrag zum Film gefunden: Mission Impossible 2. Wer hätte das gedacht. Weißt du, am einfachsten wäre, wir gründen ein Unternehmen, das im Internet etwas verkauft, das jeder braucht, aber das uns keine Produktionskosten macht. Er holt kurz Luft. Ich baue seine Idee für ihn weiter aus. Nebenbei könnten wir dann die Daten der Nutzer sammeln, sie nach unserem Willen mit immer neuen Produkten bombardieren und dadurch den Alltag der Menschen lenken. Alles tanzt nach unsrer Pfeife, genial oder?

Plötzlich sehe ich sein trauriges Gesicht. Was ist los? Wir sind ein paar Jahre zu spät. Das Produkt, das wir die ganze Zeit suchen heißt Freunde und ein gewisser Mark Zuckerberg verkauft es gerade milliardenfach.

Enttäuscht verlasse ich Jens und gehe zurück in meine Wohnung. Es war eine schöne Idee, aber es gibt plötzlich Wichtigeres für mich, als die Weltherrschaft an mich zu reißen: meine kleinen Dragoons auf Facebook warten schon seit Stunden auf ihre Fütterung. Nur noch 20 Früchte bis zum nächsten Level.

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