Die Risiken Folge 2

Maliziöse Anspielung

Mit dieser Behauptung begibt sich Malone auf gefährliches Gelände. Er stellt, zumindest andeutungsweise, die Impfaktion gegen Covid-19 auf dieselbe Ebene wie Kriegsverbrechen in der Nazi-Zeit. Der Nürnberger Kodex geht auf den Nürnberger Ärzteprozess vor 75 Jahren zurück. Auf der Anklagebank saßen damals Mediziner, die in den Konzentrationslagern brutale Experimente an KZ-Häftlingen durchgeführt hatten. Josef Mengele, einer der Nazi-Ärzte, wurde später wegen seiner medizinischen Experimente als «Todesengel von Auschwitz» bekannt.

Malones Anspielung auf die Verbrechen des Dritten Reichs ist irreführend und maliziös. Aber er hält den Vergleich für unproblematisch. Für die Verwendung der Impfstoffe gegen Covid-19 habe nur eine Notfallzulassung vorgelegen, und deshalb hätten längere Studien zur Sicherheit und Wirkung gefehlt.

Dass dieses Vorgehen in Krisensituationen üblich ist, müsste er als ehemaliger Forscher eigentlich wissen. Aber stattdessen stellt er das Tempo als grobfahrlässige Unterlassungssünde dar. Wobei «schnell» – auch das müsste ihm bekannt sein – bei der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA nicht «unsorgfältig» bedeutet, da deutlich mehr Leute als sonst auf die klinische Untersuchung angesetzt worden sind. Die Corona-Impfungen sind zudem das Resultat wissenschaftlicher Untersuchungen und Tests an mehreren zehntausend Menschen, die sich dafür freiwillig zur Verfügung gestellt hatten. Diese und andere entscheidende Unterschiede zu KZ-Versuchen müsste Malone ebenfalls kennen.

Weltwoche: Bei einer regulären Zulassung wird ein neuer Impfstoff während mehrerer Jahre getestet. Hätte man angesichts der Epidemie so lange zuwarten sollen?

Malone: Die Regierung versucht die Leute zu zwingen, ein Testprodukt zu akzeptieren, ohne ihnen Informationen über die Risiken zu geben, falls sie eine Impfpflicht verordnet. Das ist ausgesprochen illegal. Die üblichen bioethischen Grundsätze werden nicht berücksichtigt.

Weltwoche: Wie hätten Sie in der Not als Gesundheitspolitiker gehandelt?

Malone: Ich hätte auf lebenserhaltende Medikamente gesetzt, die zur Gruppe der monoklonalen Antikörper gehören. Sie ahmen die natürlichen Antikörper bei der Bekämpfung von Infektionen nach und sind im Gegensatz zu Impfstoffen nicht darauf angewiesen, dass der Körper eine Immunreaktion hervorruft.

Weltwoche: Das hätte genügt?

Malone: Ja, wenn die Regierung zudem über die Wichtigkeit anderer Massnahmen informiert hätte wie Gewichtsabnahme bei Übergewicht oder die Einnahme von Vitamin D. Das hätte uns Zeit gegeben, ein sicheres Vakzin zu entwickeln.

Der Nürnberger Kodex ist nicht die einzige Parallele, die Malone zwischen dem raschen Einsatz von mRNA und der Nazi-Herrschaft zieht. In einem Interview mit Joe Rogan, dem amerikanischen Podcaster, Schauspieler und ehemaligen Fernsehmoderator, dessen Videoproduktionen zu den populärsten in den USA zählen, millionenfach gesehen werden und fünf Stunden dauern können, bezog sich Malone auf ein Phänomen, das von Mattias Desmet beschrieben wurde, einem an der Universität Gent lehrenden Professor für klinische Psychologie. Eine Bevölkerung, so der Belgier, könne unter bestimmten Bedingungen durch Hypnose zu einer Massenpsychose verführt werden. Autoritäre Anführer könnten dann Gräueltaten begehen, denen die Bürger normalerweise nicht zustimmen würden. Der Kontext ist für Malone offensichtlich: In den 1930er Jahren waren Juden die Opfer, und der Führer, dem das Volk traute, war Hitler. Wer heute zu den Opfern gehöre und wer das Volk anführe, «darüber lasse ich Sie rätseln», sagt Malone. Und meint dann: «Die Menschen folgen den von ihnen anerkannten Anführern. Es spielt keine Rolle, ob die sie anlügen. Die Daten sind irrelevant. Ausserdem wird jeder, der ihr Narrativ in Frage stellt, sofort angegriffen – er ist stets der Andere.»

Genau das sei ihm passiert, sagt Malone. Das Drei-Stunden-Video, auf dem er über die Theorie der Massenpsychose referierte, auf ethische Fragen einging und bei Rogan seinen Frust über die mangelnde Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen breit schlug, wurde rasch von Youtube entfernt, dann aber auf Spotify gesendet, wo Rogans Show derzeit die populärste sei. Jetzt laufe seine Mailbox über, sagt Malone, so viele Zuschriften erhalte er.

Weltweit unterwegs

Der Mann mit dem gepflegten Bart verschafft sich auch ohne soziale Medien Gehör. Als medizinischer Leiter des Unity Project, einer Organisation, die gegen die Verwendung von mRNA-Impfstoffen für Kinder kämpft; als Chef der International Alliance of Physicians and Medical Scientists, mit der er Petitionen lanciert, in denen vor der unmittelbaren Bedrohung der Menschheit gewarnt wird – nicht durch die Covid-19-Pandemie, sondern durch die Schäden, die durch eine unmenschliche Regierungspolitik verursacht werden, die gegen die Menschenrechte, die informierte Zustimmung, den hippokratischen Eid und den Nürnberger Kodex verstoße. Etwa 16 000 Wissenschaftler aus der ganzen Welt haben diese Dokumente unterzeichnet. Pausenlos sei er zu Konferenzen und Lehrveranstaltungen unterwegs – einmal in Florida, dann in Mali oder Spanien. «Ich bin ausgebucht.»

Vorläufiger Höhepunkt seines Engagements gegen mRNA, Notfallzulassung und den Impfzwang: 23. Januar. Dann marschiere seine neugegründete Gruppe vom Washington Monument zum Lincoln Memorial. Malone an vorderster Front dabei, zusammen mit Musikern, Ärzten, Journalisten, Profi-Sportlern und Schauspielern.

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