Die Kirche und ich

Ich bin ein tapferer Feigling. Das ist einer, dem von der katholischen Kirche in der Kindheit soviel Angst gemacht worden ist, dass er einfach tapfer werden mußte. Doch, auch in der Kirche in der Nachbarschaft war ich schon mal. Die Kirche war leer. Niemand sonst war da. Auch der Pfarrer nicht. Der Pfarrer und ich hatten uns vorher schon mal getroffen. Zufällig… auf einem Flohmarkt. Das war an einem 17. Februar, dem Tag, an dem Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war (17. Februar 1600). Ich habe den Pfarrer gefragt, ob er wisse, daß Kardinal Bellarmin, der Bruno verbrannt hat, von s e i n e r Kirche 1930 heilig gesprochen worden sei. Er hat mir den Rücken zugekehrt.

Doch, doch, ich war auch früher schon mal in Kirchen. Sogar in Gottesdiensten…Viel früher hab ich sogar mal eine Christmette besucht. Im Regensburger Dom. Da konnte ich den Blick nicht abwenden von einem Riesenchristus am Kreuz. „Bitte, bitte, lieber Gott mit Christussohn, lass ihm doch einen Bart wachsen!“ Man hatte mir nämlich erzählt, wenn „dem da oben“ ein Bart wüchse, ginge die Welt unter. Als Kriegskind hatte ich gerade einen Weltuntergang überlebt, da würde mir der jetzt auch nichts mehr ausmachen.

„Der da oben“ hat noch immer keinen Bart. Einer der letzten Bischöfe von Regensburg war der Erzdogmatiker Müller, ein bester Freund von Josef Ratzinger. Dessen erste Tat war, den Bischofsthron – es ist ja kein Stuhl, es ist ein Thron – für 40 000 Euro höher machen zu lassen. Er ist ja so groß, der jetzige Herr Kardinal und Vorsitzende der Glaubenskongregation.

Damals hatten die Menschen noch keine Ahnung von dem Limburger. Der Müller kann jetzt dem Franziskus die Hölle heißmachen, denn dieser Papst glaubt ja bekanntlich genauso an den Teufel wie sein Vorgänger. Und theologisch unterscheidet sie ja offensichtlich nichts. Schließlich hat ihn ja Franziskus in sein jetziges Amt berufen, Halleluja!

Das war, bevor ich Bescheid wusste.

Bevor ich wusste, dass ich zwangsgetauft und zwangsgefirmt worden war. Bevor ich wußte, daß mein bigotter jesuitischer Religionslehrer (damals mußte man noch Religionsabitur machen) mich gottesvergiftete, bis ich schwarz wurde. Im übrigen: Wenn der Papst sagt, daß etwas eindeutig Schwarzes weiß ist, muß der Jesuit nach der Regel sagen, daß es weiß ist.

Dieser Mann der Liebe gab mir zwölf Watschen, weil ich trotz meiner Angst sagte, Jesus sei Jude gewesen. Als er mich mit sechs Watschen geliebt hatte, hielt ich ihm die andere Wange hin… „Ich wäre ja Christ…“ Da bekam ich die zweiten sechs Watschen und einen Verweis dazu. Sechs und sechs macht zwölf – die zwölf Apostel! Die es übrigens so auch nicht gegeben hat. So wirst du zum tapferen Feigling. Und das hat sogar sein Gutes: Ein tapferer Feigling steht zu der Gerechtigkeit, anders als die, die nur davon reden.

Mit einem Pfarrer sollte man reden können. Über Gerechtigkeit, über Ethik , über alles, sogar über Glaubensfragen. Sagen doch heute die Astronomie-Katholiken – die gibt es tatsächlich, die haben eigene Sternwarten – Glauben und Wissenschaft würden sich überlappen.

Ich würde gern mit dem Pfarrer von der Nachbarschaftskirche über Giordano Bruno reden.

Er kann ja nicht in Frage stellen, was Bruno geleugnet hat: Die Parthenogenese Marias, die Gottessohnschaft Jesu, die Auferstehung, die Trinität, die Unfehlbarkeit des Papstes und viele andere Dogmen mehr. Es gibt ja jede Menge davon. Heute sagen auch manche katholischen Theologen hinter vorgehaltener Hand, daß die Trinität ein Edikt von Konstatin I (ein Heiliger, ein Verwandten- und Massenmörder) war, um den Arianerstreit von Nicea zu beenden. Aus eins drei und aus drei eins. Ein Kirchenmann kann die Trinität öffentlich nicht leugnen. Sonst wird er verbrannt – schade für die Kirche – heute darf sie ja nicht mehr.

Heute wird er totgeschwiegen, nicht totgebrannt.

Wann wächst endlich der Bart im Regensburger Dom?

Luther hat in seiner Bibel Lukas 17.21 übersetzt: „ Das Reich Gottes ist inwendig in euch…“ Dieses Logion ist wohl eines der wenigen authentischen Logien von Jesus in der Bibel.

Im apokryphen Thomas-Evangelium ist das Logion aber erst vollständig: „und außerhalb von euch“. Vielleicht hat Luther im griechischen Original den vollständigen Satz vor sich liegen gehabt, was anzunehmen ist. Er hat den zweiten Halbsatz nicht übersetzt, weil er ihn nicht verstanden hat. Er hat auch den ersten Halbsatz nicht verstanden. Die offensichtliche Blasphemie in seiner Übersetzung hat er nicht bemerkt. Auch Luther glaubte ja an den Schöpfergott. Und der ist nicht im Menschen, der ist weit, weit außerhalb von ihm, heute sogar außerhalb des Urknalls. Luther hat den Satz nicht verstanden, weil er die buddhistische Ideologie nicht kannte. Er hätte ihn auch nicht verstanden, wenn er sie gekannt hätte.

In einem anderen Logion im TE sagt Jesus, das Reich Gottes – das Hauptthema im TE – sei über die Erde ausgebreitet, aber die Menschen sähen es nicht. Das macht klar, warum die Kirche die mißliebigen Evangelien verbrannt hat – und die Ketzer gleich mit. Der Mensch Jesus folgt in seinen Haupttendenzen der Lehre des Menschen Buddha. Das ist schon seit mindestens 150 Jahren nichts Neues mehr. Giordano Bruno meint das gleiche wie Jesus, wenn er sagt, Gott und die Natur seien Eins.

Alles hier Gesagte ist für die Kirche des Pfarrers nicht diskussionsfähig, kann es nicht sein. Vielleicht würde er mir ja nicht gleich den Rücken zukehren. Es ist ja mal wieder Weihnachten. Aber selbst da müßte ich ihn enttäuschen: Schon die frühen Kirchenväter wußten, Jesus war nicht am 25. Dezember geboren worden. (Robert Rolaudan)

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