Der leere Teller 1

Der leere Teller 1

© Rolf Hannes

Eins von drei Broten wird weggeschmissen. Das hat mir neulich eine Frau, die hinter der Kasse eines Supermarkts saß, gestanden. Ein Drittel alles Gebackenen wird wie Müll entsorgt? war meine Frage. Ich wußte es längst, aber ich wollte es von ihr bestätigt wissen. Sie hat nichts gesagt, nur genickt und den Mund verzogen.

Ein Drittel aller Lebensmittel wird wie Müll entsorgt. Vieles wird schon nach reichlicher Ernte vernichtet. Es kommt erst gar nicht in den Handel. Der schmeißt in der Regel, um anderntags vieles neu (frisch?) anzubieten, durchschnittlich ein Drittel der Waren weg. Im günstigen Fall wird es zu Tierfutter verarbeitet, zu Kompost oder es landet in Biogasanstalten oder sonstwo.

Im günstigsten Fall klauben sich einige Gewitzte aus den Müllkübeln der Supermärkte Eßbares heraus, das noch tagelang, wochenlang eßbar bleibt. Die Betreiber sehen das gar nicht gern. Warum wohl? Weil die Mundräuber aus der Konsummaschine ausgestiegen sind, an ihnen kann nichts mehr verdient werden.

So jedenfalls steht es in Deutschland, dem üppigsten Land Europas. Und in den USA geht es genau so verschwenderisch zu. Einen ähnlich hohen Verschleiß gibt es bei Arzneimitteln* und in der Elektronik.

Unsre Teller sind randvoll. Sie quellen über nach allen Seiten. Vergessen werden darüber Völker, ganze Erdteile, deren Teller karg bestückt sind oder leer bleiben. Manche besitzen nicht mal Teller.

*Ein Witzbold sagte neulich: Vielleicht ist das nicht so schlecht, einige Medikamente wegzuschmeißen, statt sie einzunehmen. Möglicherweise lebt man dann länger.

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