Der entschwundene Satz

In einem Buch habe ich einen ganz besonders schönen Satz entdeckt, also nicht nur einen gültigen, richtigen: einen SCHÖNEN Satz. Einen Satz, der wie ein gutes Essen oder ein guter Schluck im Nachhinein erst richtig aufgeht, einem schmeckt, einem einen wunderbaren Geschmack offenbart.

Mit diesem Satz, der ja viel mehr ist als ein Gedanke, gehe ich um, ins Bett, steh mit ihm auf, sitz und geh mit ihm herum, und dann, vielleicht nach Jahren, finde ich diesen Satz nicht wieder, ich finde und finde ihn nicht wieder in diesem Buch. Es war dieses Buch, das weiß ich.

Vergeblich. Er bleibt verborgen. Und nun krieg ich diesen Satz in der Erinnerung nicht mehr genau hin. Er hat sich der genauen Erinnerung entzogen. Er ist immer noch in mir, ich fühle ihn, ich schmecke ihn. Aber es ist nur die Essenz des Satzes.

NUR die Essenz? Die Essenz ist alles, sollte ich sagen. Die Essenz ist das Wesentliche. Soweit mußte es der Satz in mir bringen. Erst jetzt besitze ich ihn.

Der entschwundene Satz

© Rolf Hannes: Ein Acker birgt unendliche Schriftzeichen

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