Das Recht auf Faulheit

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Paul Lafargue 1871, fotografiert von German Fehrenbach

Vor etwa 10 Jahren entdeckte ich Paul Lafargue, 1842 auf Cuba geboren, 1911 in Frankreich gestorben. Hier zu schildern, wie das Leben dieses Arztes und Journalisten verlief, ist müßig, darüber gibt Wikipedia ausreichend Auskunft.

1883 veröffentlichte Lafargue einen Text, der es insich hat: Das Recht auf Faulheit
(LE DROIT A LA PARESSE). Dieser Text ist so großartig, so kühn, so voller Witz und Geistesschärfe, ich dachte mir damals spontan, man müßte diesen Aufsatz in jedem Büro, in jeder Fabrik, in jeder Bank, in jeder Universität aushängen, besprechen, kurzum: zum Inhalt einer gründlichen Analyse machen.

Worum geht es Lafargue? Er sagt: …man muß, um Arbeit für alle zu haben, sie rationieren wie Wasser auf einem Schiff in Not.

Denn: Eine gute Arbeiterin verfertigt auf dem Handklöppel fünf Maschen in der Minute; Klöppelmaschinen fertigen in derselben Zeit dreißigtausend. Jede Minute der Maschine ist somit gleich hundert Arbeitsstunden der Arbeiterin, oder vielmehr, jede Minute Maschinenarbeit ermöglicht der Arbeiterin zehn Tage Ruhe.

Was für die Spitzenindustrie gilt, trifft mehr oder minder auf alle durch die moderne Mechanik umgestalteten Industrien zu.

Das schrieb Lafargue vor 150 Jahren. Wenn unsre Zeit auch eine andre ist, so ist doch sehr vieles auf unsre zu übertragen. Und wenn noch so laut geschrien wird nach Arbeitskräften, so ist zu bedenken: Maschinen ersetzen heutigentags tausendfach mehr als damals menschliche Hände und Hirne.

Und hier kommt ein Einfall ins Spiel, den ich neulich hatte und warum mir wieder Lafargue einfiel. Was wäre, wenn in den kommenden Jahren Millionen sogenannter Flüchtlinge nach Europa strömten, arbeitsungeübte Analphabeten darunter, könnten (müßten?) sie sich mit der allgemeinen Mischpoke der Einheimischen auf das Spiel des Müßiggangs, auf das Recht auf Faulheit einüben?

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