Das letzte Steindruckplakat Folge 2

Im letzten Schuljahr durften wir uns an einem Linolschnitt versuchen, das Thema war Der Zoologische Garten. Von diesem Linolschnitt hatte ich noch einen Abzug, den brachte ich dem Personalchef. Zeichnungen hatte ich keine dabei, die wollte meistens mein Lehrer behalten. Das schmeichelte mir, so ließ ich sie ihm gern.

An den darauf folgenden Tagen habe ich mich an verschiedenen Orten über den Beruf des Handlithographen erkundigt. Die Antworten waren alle entmutigend. Den Beruf des Handlithographen gibt es nicht mehr. Die meisten Steindruckereien haben aufgegeben oder haben sich auf Offsetdruck umgestellt.

Der Ratschlag, ich solle ja nicht diese Lehre beginnen, bestärkte mich erst recht in meinem Wunsch, diesen Beruf erlernen zu wollen.

Ausschlaggebend war auch die Aussprache mit dem Kunstmaler Ernst Wolf, ein Freund meiner Mutter. Öfters auf Besuch bei ihm, durfte ich in seinem Atelier malen und zeichnen. Er sagte mir, die Ausbildung zum Handlithographen sei sehr anspruchsvoll, ich würde dabei viel lernen, sie sei vergleichbar mit einer Ausbildung an einer Kunstakademie. Also haben ich und mein Vater den Lehrvertrag unterschrieben.

Am 20. April 1961 bin ich um 7 Uhr morgens in der Abteilung der Handlithographie in der Druckerei Wassermann eingetroffen. Der erste Satz meines zukünftigen Lehrmeisters Werner Nänny war: Kurt, Sie werden in den folgenden vier Jahren nie ein Lob von mir bekommen. Nach dieser Begrüßung zeigte er mir meinen Arbeitsplatz und hielt einen Vortrag über sein vierjähriges Lehrprogramm. Ein strenges Programm, davon mindestens zwei Jahre nur Schriften schreiben und zeichnen. Vor allem seinen Leitsatz werde ich nie vergessen. Dies war genau die Aufmunterung, die ich gebrauchen konnte. In der Gewerbeschule galt es den spöttischen Satz zu verdauen: Sie müssen ja ein hervorragender Zeichner sein, wenn Sie eine Handlithographen-Lehrstelle bekommen haben.

Das letzte Plakat der Fa. Wassermann in Basel, das auf einer Schnellpresse gedruckt wurde, Foto: Kurt Meier

Etwa nach einem Monat wusste ich wenigstens in groben Umrissen was ein Handlithograph ist und was er zu tun hatte. Liebe Leser, ich hab nicht den Nerv, hier die ganze Plackerei der Ausbildung eines Handlithographen aufzulisten. Jedenfalls, stur wie ich war (und bin) hielt ich meine 4 Jahre durch. Nur soviel: Am Ende meiner Lehrzeit war es endgültig aus und vorbei mit aller kommerziellen Handlithographie.

Einen Triumph aber möchte ich hier abschließend in die Welt setzen: Kurz nach meiner Probezeit durfte ich beim letzten Plakat, das in der Fa. Wassermann auf einer Steindruck-Schnellpresse gedruckt wurde, dabei sein.

Ende

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Ein Kommentar zu Das letzte Steindruckplakat Folge 2

  1. Sigrid Kriener sagt:

    Gute Idee Kurt,
    dass man hier einen Eindruck hinterlassen kann.
    Ich bewundere Deine Sturheit und Entschlossenheit.
    Ich bewundere alle, die eine solche Ausbildung durchhalten können.
    Sicher kann man auch an Kunsthochschulen viel lernen, jenachdem
    wie weit man bereit ist und reif genug, sich auch auf Dinge
    einzulassen, die einem nicht so liegen. Ich selbst habe darum immer
    einen Bogen gemacht.
    Schrift zeichnen, perspektivisch zeichnen, habe ich nach ein bis
    zwei Versuchen abgewählt. Es hat mich nicht interessiert.
    Hingegen habe ich es in der Typographie-Klasse zwei Semester
    ausgehalten, habe den Prof respektiert und seinen Drucker, der
    seinen Chef nur „Meister“ nannte. Das ganze Ambiente hatte eine
    Ernsthaftigkeit und Sachlichkeit, der Handsatz eine Gemessenheit,
    die mir zum damaligen Zeitpunkt in meiner Unsicherheit sehr
    entgegenkam, das künstlerische Getriebe umher vergessen ließ.
    Danach erst fühlte ich mich frei, nach meinem Weg zu suchen,
    und bin immer noch dabei, wo auch immer.

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