Das Hohe Haus ganz klein mit Hut

Roger Willemsen hat sich für uns alle, die wir politisch interessiert sind oder auch nicht, die Mühe gemacht, ein Jahr lang von der Tribüne des Bundestags aus das Regierungsgeschäft der Großen Koalition zu verfolgen. Er hat wahrlich mehr Geschäft beobachten können, als politisch verantwortungsvolles Handeln, wobei die ohnmächtige Opposition von Die Linke und Bündnis90/Die Grünen bei aller Anstrengung, sich sinnvoll einzubringen, meistens nur Hohn und Häme der Regierenden abbekam.

Beachten wir nur eine einzige Stelle aus Willemsens Buch Das Hohe Haus EIN JAHR IM PARLAMENT, dann wissen wir um die Erbärmlichkeit vieler Volksvertreter:

»Es gibt in Deutschland eine Zunahme an Armutsberichten«, ruft Lindner, »aber keine Zunahme an Armut.«

Es sind diese Momente, diese Sätze, diese Applauswellen, in denen das Parlament aufhört, Volksvertretung zu sein. Denn wie immer man Armut erklärt, wen immer man verantwortlich macht – sie zu leugnen zeugt von Verachtung und richtet das Gemeinschaftspathos, das rhetorisch so gern beschworen wird. Man muss diesen Moment einmal isolieren, in dem man drei Parteien geschlossen einem Satz applaudieren sieht, der nur als Verleugnung der Realität großer Teile der Bevölkerung verstanden werden kann und sich der Zustimmung einer Mehrheit im Plenum erfreut. Es gibt Momente, in denen man die Verachtung zurückgeben möchte, mit der es seine Bürger bisweilen behandelt. Und das meint nicht die geistig beschränkte Polemik eines einzelnen Freidemokraten, sondern den Gesinnungsapplaus der Claqueure. S. 45

Das wird alles getragen und gutgeheißen von unserer Kanzlerin, der großen Beschwichtigerin, Schönrednerin, Wegschauerin, Einschläferin.

Nachzulesen auf dutzenden Seiten des Buchs, ganz Haarsträubendes auf den Seiten 47, 51, 60, 67, 83, 99. Dann hab ich aufgehört, mir die schlimmsten Stellen zu unterstreichen. Auf jeder der 396 Seiten erfährt man von parlamentarischen Dummheiten und Sauereien.

Hohes Haus

Wenigstens das bräsige Dativ-E sollte ich wegmeißeln dürfen, zum Trost fürs Volk.

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