Das Abenteuer einer Maschine, 2. Teil

Mitte der 90er galt es, in unsrer Werkstatt Platz zu schaffen, Herr Götz war inzwischen verstorben, unsere Begeisterung hatte ohne ihn eh merklich nachgelassen. Wir wollten uns von der Maschine trennen, aber wir sträubten uns, sie zu verschrotten.

Mir fiel mein ehemaliger Lehrer ein, Kurt Meier, ein Aß im Fach des Steindrucks. Er hatte eine Lehre in einer weltberühmten Lithografischen Anstalt gemacht, aber mit Ende seiner Lehre endete auch der Beruf des Lithografen. Damals zog Offset in die Druckwelt ein. So gründete Kurt Meier eine Werkstatt für künstlerischen Steindruck. Er hat für Rolf Iseli, Max Ernst, Meret Oppenheim und viele andere gedruckt. Als ich nach Basel ging, 1969, hatte er gerade einen Lehrauftrag für Lithografie an der Hochschule für Gestaltung angenommen. Und den versah er noch immer 30 Jahre später, als ich ihm vorschlug, für die Schule, die mit allem ausgerüstet war, nur nicht mit einer Schnellpresse, die unsre zu übernehmen. Man hätte für die Aufstellung der Maschine eine kostspielige Rutsche bauen und eine Wand einschlagen müssen. Vor den Kosten schreckte die Schule zurück. Kurzentschlossen überführte Kurt Meier die Schnellpresse in sein Ferienhaus in den Vogesen, nicht ohne vorher einen Raum eigens für diese tonnenschwere Last auszubauen.

Herr Meister, glücklich, seine geliebte Maschine nicht verschrottet zu wissen, besuchte uns des öfteren in der KünstlerWerkstatt in Freiburg, und er ließ es sich nicht nehmen, mehrmals in die Vogesen zu fahren, zum neuen Besitzer, stets mit einem Champagner im Gepäck.

2008, das Hantieren mit den sehr großen und schweren Steinen war nicht mehr Kurt Meiers Sache, erfuhr Markus Gell von der Maschine, kaufte sie, die Inzwischen eine Rarität war und ließ sie in seine Werkstatt nach Vorarlberg bringen. Wieder entstanden dort auf ihr von einer Anzahl namhafter Künstler viele Lithografien.

Das Abenteuer einer Maschine 3

Hier führt Markus Gell das Papier ein.

Doch es sollte noch nicht die letzte Heimat im Lebenslauf der Maschine sein. Vor einigen Wochen erreichte mich die Nachricht, das Museum der Firma Intergraphic bei Straßburg habe sie erworben.

Das Abenteuer einer Maschine 4

Ende Mai war sie die Attraktion während des Gutenberg-Fests in der Altstadt von Straßburg. Dort hatte man sie in einem Festzelt aufgestellt, und Markus Gell, sozusagen als Geste des Lebewohls, druckte mit dem Steindrucker Ernst Hanke auf ihr vor neugierigem Publikum.

 

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