Corona und Migration

Angst vor einer Rassismus-Debatte verhindert die nötige Aufklärung dieses wichtigen Zusammenhangs.

Weil sie Angst vor einer Debatte hat, die die Menschen in unserem Land “verunsichern“ könnte, scheut die politische Kaste – und mit ihr die Hofberichterstatter in den etablierten Medien – eine brauchbare Analyse des Zusammenhangs zwischen Migration und Corona. Wie kommt es, dass Patienten mit Migrationshintergrund einen Großteil, wenn nicht die ganz überwiegende Zahl der Covid-Intensivbetten in den Krankenhäusern belegen? Allein diese Frage ist schon so tabu, dass kaum jemand sie offen zu stellen wagt. Dabei könnte eine unvoreingenommene Antwort auf Basis verlässlicher Zahlen durchaus beim Kampf gegen das Virus helfen. Doch die Medien wischen das Thema vom Tisch, sobald es aufkommt, was selten genug der Fall ist. Ein Arzt in Heidelberg hatte uns schon zu Jahresbeginn, zwei Monate bevor Lothar Wieler davon sprach (und das RKI umgehend einen Rückzieher machte) bei abgeschaltetem Mikrofon davon erzählt. Aber nicht überall verdecken Scheuklappen und politische Korrektheit den Blick für diesen wichtigen Zusammenhang. Die Vermeidung einer Debatte darüber “kostet Menschenleben“, sagt der Islam-Experte Ahmad Mansour.

Österreich hat die Zusammenhänge untersucht.

Anfang April beschäftigte sich die von Roger Köppel in Zürich herausgegebene “Weltwoche“ in ihrem täglichen Nachrichtenüberblick (“Weltwoche Daily“) mit dem Zusammenhang zwischen Migration und Corona. Der Grund: Eine Studie des “Österreichischen Integrationsfonds“ (ÖIF) hatte kurz zuvor ausgeleuchtet, wie ausländische Menschen im Land die Seuche wahrnehmen. Der Autor des Artikels in der “Weltwoche“, Marcel Odermatt, konnte es sich (zu Recht) nicht verkneifen, mahnend den Finger zu heben: “Migration und Corona – in der Schweiz ein Tabu. Österreich hat die Zusammenhänge untersucht. Die Resultate lassen aufhorchen“.

Deutlich mehr Misstrauen unter Migranten

In der Tat: Das Papier mit dem Titel “Mediennutzung in der Corona-Pandemie“ ließ an seinem zentralen Befund keinen Zweifel aufkommen. Eine Befragung von 1.518 Personen mit teils bosnischem, teils kroatischem, serbischem, syrischem oder afghanischem Hintergrund – sowie eine “Kontrollgruppe repräsentativ für die österreichische Wohnbevölkerung“ – hatte folgendes ergeben: “Die Zielgruppen können spontan zahlreiche der Maßnahmen und Empfehlungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie nennen“  “Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie werden unterschiedlich bewertet“  “Die befragten Afghanen/innen und Syrer/innen halten die Maßnahmen zu rund 70 bis 80 Prozent für überschießend“. Unter Befragten ohne Migrationshintergrund hielten 28 Prozent die Maßnahmen “für zu weit gehend“.  Glaubwürdigkeit der Informationen: “Unter Syrer/innen wird die Glaubwürdigkeit mit 3,9 (Skala von 0 bis 10) bewertet. Unter Afghan/innen mit 0,5 Prozent. Der Vergleichswert bei Personen ohne Migrationshintergrund liegt bei 5,7“.

Bei den Befragten mit Migrationshintergrund stimmten zwischen 42 und 75 Prozent “der Aussage zumindest eher zu, dass das Virus bei weitem nicht so gefährlich sei, wie die Regierung sage“. Bei Personen ohne Migrationshintergrund stimmten in diesem Punkt 31 Prozent “sehr oder eher zu“.

Sie wissen imgrund Bescheid.

Ganz klar: Auch die Befragten mit Migrationshintergrund wussten recht gut Bescheid, hielten die Maßnahmen der Regierung zweieinhalb Mal so oft für “überschüssig“ wie die Stammbevölkerung und hatten zudem erhebliche Zweifel an den Informationen der Regierung. Trotzdem fühlte sich die Neue Zürcher Zeitung am 6. April bemüßigt, in einer Schlagzeile zu postulieren: “Migranten sind in Österreich anfälliger für eine Corona-Erkrankung. Dies liegt weniger an ihrer Kultur als an der gesellschaftlichen Position“. Im Übrigen, so die Unterzeile des Berichts, erhielten schlechter integrierte Zuwanderer weniger Informationen über die Pandemie.

Faule Ausreden in den Medien

Seit der Publikation der Studie in Österreich liest man, falls das für den Mainstream heikle Thema “Corona und Migration“ überhaupt einmal publizistisch angefasst wird, andauernd Erklärungen wie “sprachliche Barrieren“, “soziale Benachteiligung“ oder “Kommunikationshürden“.

Doch genügend Informationen in Muttersprachen

„Die Diskussion, ob mehr Migranten von Covid-19 betroffen sind, ist nicht ungefährlich“, kommentierte der Südkurier am 4. April und bezeichnete die Frage, ob auf den Intensivstationen besonders viele Migranten wegen Covid-19 behandelt würden, als “eine heikle Frage“. Wieso eigentlich? Sie ist eine wissenschaftlich, politisch und gesellschaftlich wichtige Frage, auf die man für eine ganzheitliche Corona-Politik, so sie denn gewollt ist, eine Antwort braucht. “Die öffentliche Informationspolitik in Fremdsprachen ist dürftig“, kritisierte am 18. März der Tagesspiegel, wies aber in seinem Artikel auf etwas hin, das einer gerne wiederholten Behauptung in etablierten Massenmedien diametral widerspricht.

Wird morgen fortgesetzt.

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