Billigster Tourismus ist eine Seuche.

All-inclusiv. Mit diesem häßlichen Wort schmückt sich inzwischen ein Großteil aller Ferienangebote. Alles in einem? Man möchte sich schütteln vor soviel Dummheit und Häßlichkeit. Du wirst in eine Reisemaschine gepackt, verfrachtet, in eine Wohnmaschine gepackt, und rundumversorgt. Alles billig, billig, billig. Alles von der Stange, von der Stange, von der Stange.

Billigster Tourismus ist eine Seuche

Zeichnung: Rolf Hannes

Die Urlauber, die sich das antun, werden auch all-inclusiv. Alles in einem: verdummt, verblödet, verfressen. Alles in einem: in einem Flieger, in einem Bus, in einer Bettenburg, auf einem Fleck, in einem Basar, in einer Urlaubsmaschine.

Länder, Landschaften, Städte, Dörfer, die vor Jahrzehnten noch atmeten, noch lebten, in ihrer Rückständigkeit meinetwegen, in ihrer Armut meinetwegen, in ihrer unverstellten Menschlichkeit, ihrer Offenheit dem Fremdling gegenüber, ihrer Gastfreundlichkeit, ihrer Bereitschaft, den fremden Besucher zu empfangen, so wie die Neugierde des Besuchers offen war für das Abenteuer einer neuen Begegnung, das alles ist jetzt zum Tummelplatz einer gigantischen All-inclusiv-Fabrik geworden. Wirklich Alles In Einem: Dummheit, Beschränkteit, Raffgier.

Damals war das Herz beteiligt, auf beiden Seiten. Das Unbequeme war beteiligt. Das Spontane war beteiligt. Das Unerwartete war beteiligt. Die Neugierde auf Land und Leute war beteiligt.

Nun machen einige wenige Reiseunternehmen den großen Rebbach mit immer billigerem Massentourismus und die einheimischen kleinen Hotels, die Herbergen, die kleinen Gaststätten, die kleinen Läden können mit dieser Billigkeit nicht mithalten, sie gehen pleite.

Jemand, der vor Jahren an der türkischen Südküste in seiner bescheidenen Herberge einem Reisenden wie mir sein einfaches Zimmer vermietete, ist nun Kellner in einem Tausendbetten-Klotz. Unterbezahlt und versklavt.

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