Bilanz der Ära Merkel

Von Wolfgang Effenberger: Bilanz der Ära Merkel
Ein Erbe, das keiner will

Merkel war eine Grabplatte, die sich über das Land legte, kein Coach, der auf die Zukunft vorbereitete.

Angela Dorothea Merkel (geb. Kasner) war nicht nur die erste Frau, die in das Kanzleramt einzog (22. November 2005), sondern auch die einzige unter allen Kanzlern, die in der Bundesrepublik geboren wurde (am 17. Juli 1954 in Hamburg). In der DDR aufgewachsen, war sie dort bis zum Mauerfall als Physikerin am Zentralinstitut für Physikalische Chemie tätig. Sie war zuvor weder in der zivilen noch in der kirchlichen Opposition aktiv gewesen, vielmehr als Mitarbeiterin an der Akademie der Wissenschaften der DDR in der Betriebsgewerkschaftsleitung und dort nach eigenen Angaben von 1981 an als FDJ-Sekretärin ihres Instituts für Kultur zuständig gewesen. Ihre Biografen zitieren indes einen Wegbegleiter Merkels aus der damaligen Zeit: Gunther Walther, Chef der FDJ-Gruppe am Akademie-Institut: “Angela Merkel war Sekretärin für Agitation und Propaganda.“ Obwohl in der sogenannten Wendezeit erst nach dem Mauerfall aktiv, gelang ihr ein kometenhafter Aufstieg. Ende August 1990 begleitete Merkel bereits Delegationen um den DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière auf Auslandsreisen und war auch beim Abschluss des Zwei-plus-Vier-Vertrags am 12. September 1990 in Moskau dabei. Auf dem Vereinigungsparteitag der CDU Anfang Oktober1990 war Merkel eine von drei Delegierten des „Demokratischen Aufbruchs“. Nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erhielt Merkel die Planstelle einer Ministerialrätin (A 16) im „Bundespresse- und Informationsamt“ (BPA).

Der Aufstieg beginnt.

Im Dezember 1991 wurde sie auf dem CDU-Bundesparteitag in Dresden zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden und damit in das Amt gewählt, das vor ihr Lothar de Maizière – inzwischen als enttarnter „IM Czerni“ zurückgetreten – innegehabt hatte. Zugleich nominierte sie Wahlsieger Helmut Kohl überraschend als Bundesministerin für Frauen und Jugend (1991–1994). In diesen Jahren saß Merkel darüber hinaus dem Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der Unionsparteien vor. Nach Bestätigung der christlich-liberalen Regierungskoalition durch die Bundestagswahl am 16. Oktober 1994 wurde Merkel zur Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernannt. Im Frühjahr 1995 leitete sie als Präsidentin die Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Berlin und war entscheidend an der Verabschiedung des „Berliner Mandats“ zur Reduzierung von Treibhausgasen beteiligt. Im Dezember 1999 nutzte sie, inzwischen zur Generalsekretärin der CDU aufgestiegen, die Spendenaffäre um die CDU in einem offenen Brief aufzufordern, sich von ihrem Ehrenvorsitzenden Kohl zu lösen.

Die Partei muss also laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross, wie Helmut Kohl sich oft selbst gerne genannt hat, den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen. Sie muss sich wie jemand in der Pubertät von zu Hause lösen, eigene Wege gehen. Am 10. April 2000 wurde Merkel auf dem Parteitag in Essen zur Vorsitzenden der CDU Deutschlands gewählt, was sie bis 2018 blieb.

Fortsetzung folgt morgen.

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